Whitechapel - Whitechapel
Bewertung9
9Gesamtwertung

Whitechapel’s ‚A New Era Of Corruption‘ war ein überragendes Album, das nicht nur den Stil der Band in einem Genre voller Kopien definierte und in eigene Ligen hob, sondern auch über die Kategorie ‚Deathcore‘ hinaus Maßstäbe in Sachen Songwriting und Technik setzen sollte. Der Erfolg gab den Mannen um Phil Bozeman Recht und so fand sich die Platte in den Top 50 der US-Billboard-Charts wieder. Ausverkaufte Shows rund um den Erdball folgten und ‚A New Era Of Corruption‘ wurde von Fans und Fachpresse zu recht mit Lob überhäuft.

2 Jahre und eine EP als Appetitmacher später erscheint das neue, selbstbetitelte Album ‚Whitechapel‘ und es muss nicht wesentlich erwähnt werden, welche Erwartungen an diese Scheibe gestellt werden. Die Frage ist: Was erwartet man von einer Band die ein Album abgeliefert hat, das deutlich zur Genre-Speerspitze zählt? Überraschungen? Veränderungen?

Der Opener ‚Make It Bleed‘ startet mit einladenden Klavierklängen, saugt den Hörer, ähnlich wie ‚Devolver‘, in seinen Bann und sorgt für stimmige Atmosphäre während ‚Hate Creation‘ chaotisch startet und von niedermetzelnden Riffs überlagert ist. Spoken-Word-Einlagen runden Song Nr. 2 ab und leiten ein von Wut nur so strotzendes Finale ein. ‚(Cult)uralist‘ ist ein Beat-lastiges Monster, in dem vor allem Sänger Phil Bozeman mit seinen aggressiven und unglaublich schnell gefauchten Shouts und Growls glänzt. Die vorab releasten Songs ‚I, Dementia‘ und ‚Section 8‘ bilden den mitreißenden, brutalen Abschluss der ersten Hälfte.

Mit Hurrikan-Tempo leitet ‚Faces‘ Teil 2 der Platte ein und scheint nur durch brutale Breakdowns zu bremsen zu sein. Das von Breaks überlagerte ‚Dead Silence‘ knüpft nahtlos daran an und auch ‚The Night Remains‘ steht den gewaltigen, vorangegangen Songs in Nichts nach. ‚Devoid‘ bietet Zeit zum Durchatmen und leitet in das würdige Finale ‚Possibilities Of An Impossible Existence‘ über, das dem Hörer ein letztes Mal sämtliche Eigenschaften von Whitechapel um die Ohren haut.

Was bleibt wenn ‚Whitechapel‘ mit Klavierklängen ausklingt, wie es angefangen hat? Für den Whitechapel-Kenner oder Fan bietet dieses Album keine Überraschungen und keine Veränderungen. Doch hat es meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen! Der Band aus Tennessee gelingt es mit ihrem selbstbetitelten Album all das, was sie auszeichnet, auf ein neues Level zu bringen. Fine-Tuning auf höchstem Niveau. Alles wirkt noch stimmiger als auf ‚A New Era Of Corruption‘ und man kann noch mehr von einem komplett eigenen Stil der Band sprechen, womit auch das Selbstbetiteln dieses Albums absolut gerechtfertigt ist.

Das Album ‚Whitechapel‘ definiert die Band Whitechapel perfekt und zählt nicht nur zur Speerspitze des Genres, sondern zeigt, dass Whitechapel mit jedem Album gewachsen sind. Das Songwriting der Band befindet sich auf schwindelerregendem Niveau: Kaum eine andere Band schafft es überzeugend Streicher, Klaviere und Effekte einzusetzen und sich diese so sehr zu eigen zu machen, dass man glauben könnte sie gehören zur Norm. Kaum eine andere Band in diesem Genre klingt so abwechslungsreich und unvorhersehbar ohne den eigenen Stil zu vernachlässigen.

Whitechapel setzen ein weiteres Mal neue Maßstäbe. Dabei gelingt der Band diese erneute Steigerung mit einer hörbaren Leichtigkeit, die andere Kapellen vor Neid erblassen lassen sollte. Man darf gespannt sein ob Whitechapel dem Druck, den dieses Album auf den Schaffensprozess für den Nachfolger erzeugen wird wieder problemlos standhalten. Bis dahin genießen wir erst einmal das überragende ‚Whitechapel‘.

Über den Autor

Über Tool, Nine Inch Nails und Slipknot bis hin zu Deftones habe ich schon früh meine Begeisterung für harte und ehrliche Musik, gemacht mit Hand und Herz, entdeckt.
Hardcore wurde dann zu meiner persönlichen, musikalischen Heimat, als ich 2002 vor der Bühne stand während Comeback Kid und Raised Fist mir diese neue Welt eröffneten. Bis heute begeistert mich, wie Bands derart ehrliche Musik in einem Gewand aus Wut, musikalischer Brillanz und greifbarem Songwriting verpacken können.
Bereits jetzt habe ich dank dieser Musik so unendlich viel erlebt, Bands kommen und gehen sehen (Have Heart, Carpathian, Sierra uvm.), unzählige Menschen kennengelernt und überragende Alben für die Ewigkeit gehört. Auf die nächsten 15 Jahre!

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