The Sidekicks - Runners In The Nerved World
Bewertung7
7Gesamtwertung

Lange Haare, Bärte, Holzfällerhemden… Sind wir auf einer Zeitreise in den 90ern gelandet? Nein, die vier Jungs aus Ohio sind topaktuell, ihr Faible für das letzte Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts zeigen The Sidekicks aber auch musikalisch. Grunge-Einflüsse sind ebensowenig von der Hand zu weisen wie die aus dem Alternative Rock Bereich der späten 90er.

Das neue Album der Band heißt Runners In The Nerved World. Titel genauso wie Cover liefern einen guten Eindruck von dem, was man von dem Album erwarten kann: Entspannt rockende Songs, die einen für 40 Minuten aus der „Nerved World“ holen. Wenn man die Augen schließt, sitzt man allein mit einem abgestandenen Bier vor sich am Tresen einer heruntergekommenen Bar irgendwo in Nordamerika und die letzte Band des Open-Mic-Abends ist die erste, die man sich gut anhören kann. Die Typen auf der Bühne haben die Augen geschlossen und genießen es, ihr Lebensgefühl in Musik zu gießen. Die Gitarren wirken zu jeder Zeit leicht zurückgenommen, die Drums legen einen leichten Rhythmus unter die Akkorde und der Bass bildet das Fundament. Der Gesang ist relativ hoch und meist zweistimmig. Mal rockt die Band etwas schneller (Blissfield, MI), dann wieder ganz relaxt. Ihre Musik drängt sich nicht auf, tut keinem weh. Sie plätschert so vor sich hin und fügt sich so perfekt in die Atmosphäre ein, nein, sie erschafft die Atmosphäre. Genau hier liegt die Stärke und gleichzeitig die Schwäche dieses Albums. Auf der einen Seite entschleunigt es den Hörer indem die Musik ihn in die oben beschriebene Atmosphäre schickt. Auf der anderen Seite hat es aber keine wirklichen Highlights. Die Musik ist unauffällig und irgendwie brav. Immer wenn The Sidekicks gerade auf dem Weg zu etwas sind, was sich im Ohr festsetzt, nehmen sie kurz vorher den Notausgang und  lenken den Sound wieder in eine komplett andere Richtung, wodurch meist keine Struktur zu erkennen ist und die Songs sehr ähnlich klingen. Ich bin mir fast sicher, dass der Band dies bewusst ist und sie auch ungefähr das erreichen will, mich kann sie damit allerdings nicht so richtig begeistern. Runners In The Nerved World werde ich mir auf jeden Fall noch einige Male anhören, aber es wird mit Sicherheit nicht in Dauerrotation laufen. Ich werde dieses Album in speziellen Momenten einlegen, um mich in die oben beschriebene Bar zu beamen.

Runners In The Nerved World ist ein solides Album einer Band, die mehr kann. Die Fans der Sidekicks werden sicherlich zufrieden sein, einen Klassiker werden aber auch sie in diesem Album nicht sehen.

Das nächste Album werde ich gerne wieder antesten und auch live sehe ich mir The Sidekicks auf jeden Fall an, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Restlos überzeugt hat mich die neue Scheibe aber nicht.

Über den Autor

Ich habe im Rock-/Metal-Bereich mittlerweile eigentlich alle Richtungen durch. Angefangen hat alles mit Linkin Park, AC/DC und The Offspring, dann kam die große Liebe System Of A Down. Das Interesse an der harten Musik wuchs immer mehr, genauso wie die Haare. Die Klamotten wurden schwarz, genauso wie der Metal. Ich hatte nie Probleme Dimmu Borgir und Steel Panther direkt nacheinander zu hören und konnte schon immer mit fast allem im harten Rock-Bereich etwas anfangen. Irgendwann mussten die Haare dann ab, die Klamotten wurden wieder bunter und der Musikgeschmack immer Hard-/Metalcore-lastiger. Heute höre ich zum Großteil Musik aus dieser Richtung, bin aber allem anderen gegenüber weiterhin sehr aufgeschlossen.

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