The Ghost Inside - Dear Youth
Bewertung:9
9Gesamtwertung

Dear Youth…

In einem Brief an mein früheres Ich wären The Ghost Inside das Paradebeispiel für Dinge, auf die man sich verlassen kann. Meiner 2008er Version, die gerade Fury And The Fallen Ones in Dauerschleife rotieren lässt, würde ich versichern, dass die Band aus LA in Zukunft keinen schlechten Song schreiben und sämtliche Bühnen zuverlässig zum Beben bringen wird.

2014 meldet sich die Band mit Dear Youth zurück – Und eine Sache ist sicher: Wo The Ghost Inside drauf steht, ist The Ghost Inside drin. Die Band erfindet sich mit Studioalbum Nummer 4 nicht neu. Das ist aber auch gar nicht gewünscht!

The Ghost Inside zählen zu den wenigen Bands, bei denen das „Hardcore ist eine große Familie“-Gerede spürbar aufrichtig ist. Eine Show der Jungs kommt einer großen Party unter Kumpels gleich und das jeder Club beim Besuch von The Ghost Inside auseinander zu platzen droht ist bei der ständig wachsenden Fanbase kein Wunder.

Diese Vertrautheit und Nähe ist nicht zuletzt den persönlichen Lyrics geschuldet. Handelte Get What You Give noch vom Tod Jonathan Vigil’s Bruder wendet sich der Sänger auf der neuen Platte an das jüngere Ich seiner Jugend. Ein Konzept, das hörbar aufgeht und von Authentizität überzeugt. An diesem Punkt gibt es eine ausdrückliche Entwarnung: Was Schwarzenegger für den Film ist, sind The Ghost Inside für Hardcore. Das hat die Band nicht vergessen und liefert auch auf Dear Youth wieder ausreichend viele One-Liner ala „What Do You Stand For?“ gepaart mit massiven Breakdowns.

Soundtechnisch sind The Ghost Inside gewohnt bullig unterwegs. Hier haben A Day To Remember’s Jeremy McKinnon und Co-Producer Andrew Wade wie auch beim Vorgänger Get What You Give solide die Regler in die richtige Position gerückt.

Kontrastreiche Passagen wie im atmosphärischen Phoenix Flame machen das Soundbild zur runden Sache. Dabei wirken die Songs nie aufgesetzt oder zu sehr gewollt. Auch hier sind The Ghost Inside sich treu geblieben. Melodische Parts untermalen das Geknüppel ohne das die Band an Power einbußt. Gesangspassagen sind rar gesät, dezent platziert und stehen niemals ohne darüberliegende Shouts da.

Hervorzuheben ist auch der Gast-Part von letlive.’s Jason Butler in Wide Eyed. Ein Stilbruch, der perfekt platziert ist und passt. Wenn Labelmate Butler so abgefahren locker auf der nächsten letlive. Platte aus der Hüfte schießt, erwartet uns auch hier ganz großes Kino.

Alles in allem ist Dear Youth eine runde Sache. Vielleicht sogar das stimmigste Album der Band. The Ghost Inside erfinden sich nicht neu, es gibt keine großen Revolutionen zu erwarten – Aber ganz im Ernst: Wer will das schon? Jede LP der Band fühlt sich wie „nach Hause kommen“ an. Diese Vertrautheit ist besonders und sorgt dafür, dass auch Dear Youth sofort hängen bleibt. The Ghost Inside überzeugen mit spannendem Songwriting, fesselnden Songs und einem unterhaltenden Gesamtwerk.

Über den Autor

Über Tool, Nine Inch Nails und Slipknot bis hin zu Deftones habe ich schon früh meine Begeisterung für harte und ehrliche Musik, gemacht mit Hand und Herz, entdeckt. Hardcore wurde dann zu meiner persönlichen, musikalischen Heimat, als ich 2002 vor der Bühne stand während Comeback Kid und Raised Fist mir diese neue Welt eröffneten. Bis heute begeistert mich, wie Bands derart ehrliche Musik in einem Gewand aus Wut, musikalischer Brillanz und greifbarem Songwriting verpacken können. Bereits jetzt habe ich dank dieser Musik so unendlich viel erlebt, Bands kommen und gehen sehen (Have Heart, Carpathian, Sierra uvm.), unzählige Menschen kennengelernt und überragende Alben für die Ewigkeit gehört. Auf die nächsten 15 Jahre!

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