Selten habe ich so große Vorfreude bei einer Show wie der von Suicide Silence mit After The Burial und Bleed From Within im Exhaus in Trier. Als großer Deathcore Anhänger war ich schon immer heiß darauf das absolute Flaggschiff des Genres, Suicide Silence, endlich live zu erleben.

Seit Jahren besuche ich das Exhaus für Konzerte aus den Bereichen Hardcore, Metalcore oder Deathcore. Man kennt sich hier. Heute sieht das jedoch anders aus: Das Lineup lockt doch tatsächlich Besucher aus allen Altersklassen und Regionen an, was mich überrascht, was ich aber wirklich cool finde. Jung bis alt sind an diesem Abend überwiegend in passendem Suicide Silence Outfit gekleidet und füllen das Exil gut aus.

Los geht es mit After The Burial. Kaum erklingen die ersten Töne der Band, da sprengt sich die Menge schon in zwei Hälften. Die Karate-Kampf-Headbang-Tanz-Arena ist eröffnet. After The Burial machen derweil alles richtig. Ihr melodischer, progressiver Deathcore kommt gut an, hat einen satten Sound und die Band zeigt sich publikumsnah und motiviert. Gitarristen Justin und Trent bringen mit ihren 8-Saitern das erste mal für diesen Abend das Exhaus zum Beben und sprechen damit Gedärme in meinem Körper an, von denen ich nicht wusste, dass sie existieren.

Bleed From Within sind die Gewinner des Abends: Zunächst als Ersatz für All Shall Perish angereist, zeigt das Publikum, dass die Band mehr als nur ein Lückenfüller ist. Gleich zu Beginn gibt es Sing-a-longs, Stagedives und Bleed From Within werden gebührend abgefeiert.

Die Band ist also mehr als willkommen und bedankt sich mit einer grandiosen Show. Perfekter Sound, geniale Setlist und ein Scott Kennedy, der mehr Zeit beim Publikum verbringt als auf der Bühne. Nach diesem Auftritt hat wohl niemand All Shall Perish vermisst. Ich war bereits im Vorfeld froh darüber Bleed From Within an diesem Abend zu sehen und sie haben mich nicht enttäuscht!

Nun folgen erst ein mal lange Umbauarbeiten. Auf der Bühne werden Instrumente und Sound bis ins kleinste Detail abgestimmt und eine extra Bühne für Mitch Lucker aufgebaut. Dann geht alles ganz schnell: Es wird dunkel, es kracht und schon sind Suicide Silence auf der Bühne!

Gleich mit dem Opener des Abends, Wake Up, sorgt die Band dafür, dass kein Besucher ohne Bewegung bleibt. Mitch stachelt von der ersten Sekunde das Publikum an aufzuwachen, mitzumachen, zu schreien, sich zu bewegen – und es funktioniert. Ohnehin vergeht keine Pause zwischen den Songs in denen Mitch Lucker die Menge nicht anfeuert, während er erhaben wie der Leibhaftige höchstpersönlich auf seinem Thron kniet, steht oder lehnt.

Der perfekte, bombastische Sound überrennt einen wie 300 blutdurstige Spartaner und ist ungelogen das Beste, dass ich bisher im Exhaus gehört habe. Suicide Silence sind dabei durchaus professionell und spielen technisch überragend. Mitch’s Stimme ist live wie auf den Alben. Diese Bestie bringt die komplette Bandbreite an Klängen rüber: Er keift, er kreischt er growled – Dabei vergeht keine Sekunde in der er nicht aufstampft wie ein wütender Elephant, einen Kopfschuss oder eine durchtrennte Kehle gestikuliert.

Suicide Silence spielen sich durch ein Set von alten und neuen Songs, sind kommunikativ und einfach nur böse. Diese Band lebt den Deathcore und zählt zu den authentischsten Bands in diesem Bereich. Bewusst distanziert man sich gegenüber dem Publikum um die Magie zu wahren. Gelächelt wird nicht und die Augen sind dauerhaft auf weiß gedreht. Das ist genau das, was ich von einer Band derart erwarte.

Suicide Silence überzeugen mit einem brachialen Sound, sauberer Technik und einem fiesen Auftreten. Unvergleichbar biestig und gut.

Über den Autor

Über Tool, Nine Inch Nails und Slipknot bis hin zu Deftones habe ich schon früh meine Begeisterung für harte und ehrliche Musik, gemacht mit Hand und Herz, entdeckt. Hardcore wurde dann zu meiner persönlichen, musikalischen Heimat, als ich 2002 vor der Bühne stand während Comeback Kid und Raised Fist mir diese neue Welt eröffneten. Bis heute begeistert mich, wie Bands derart ehrliche Musik in einem Gewand aus Wut, musikalischer Brillanz und greifbarem Songwriting verpacken können. Bereits jetzt habe ich dank dieser Musik so unendlich viel erlebt, Bands kommen und gehen sehen (Have Heart, Carpathian, Sierra uvm.), unzählige Menschen kennengelernt und überragende Alben für die Ewigkeit gehört. Auf die nächsten 15 Jahre!

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