Stick To Your Guns - Diamond
Bewertung10
10Gesamtwertung

Stick To Your Guns sind einer der ganz großen Hoffnungsträger des Hardcore. Von Beginn an hat die Band aus Orange County ihren ganz eigenen Stil definiert. Im Hardcore Zuhause, haben Stick To Your Guns es geschafft sehr melodische und Metal-lastige Elemente in ihrer Musik zu verankern. Zwei Jahre nach ‚The Hope Division‘ erscheint das mit großen Erwartungen herbeigesehnte ‚Diamond‘ und dürfte ein wichtiges Zeugnis dessen sein, wo Stick To Your Guns anzusiedeln sind: Zählt man ein Album nach dem Label- und mehrerer Besetzungswechsel endgültig zur Hardcore-Elite oder kommt man über das Dasein des Hoffnungsträgers nicht hinaus?

Empfangen wird der Hörer auf ‚Diamond‘ mit Altbekanntem. Der Titeltrack, der hier als Intro funktioniert wird getragen von schweren Gitarren-Riffs und grooved mächtig los. Starke Gang-Vocals leiten hier einen Breakdown ein, der sich gewaschen hat. Track 2, ‚Against Them All‘ knüpft dort nahtlos an und zeigt sich brutal druckvoll. Der erste Song mit Klargesang auf ‚Diamond‘ ist ein Musterbeispiel für die Entwicklung dieser Band: Sänger Jesse Barnett hat die Vocals verfeinert und überschlägt sich nicht mehr mit seinen Shouts. Unglaublich was dieser Mann an Gefühl für den Klang der Worte entwickelt hat. Auch mit seiner klaren Gesangsstimme ist er um Längen besser als auf ‚The Hope Division‘, auch wenn Stick To Your Guns eh und je sehr passende und gute Gesangspassagen in ihren Songs hatten. Das hier ist die perfekte Symbiose aus hart und zugänglich.

‚Such Pain‘ wird ebenfalls von einem tonnenschweren Sound getragen und demonstriert den reifen Fortschritt der Instrumental-Abteilung der Band. Gegenüber den Vorgänger-Alben ist hier alles viel stimmiger, erwachsener und trotzdem eingängig. Dabei bleiben sich Stick To Your Guns treu, verfeinern aber das, was sie ausmacht und bringen den eigenen Sound auf ein neues Level! ‚Such Pain‘ profitiert ebenfalls von einem kernig, harten Sound und liefert Gitarrenmelodien, die sich sanft durch den Song schleichen und im Laut/Leise-Wechsel mit den harten Passagen stehen. Thematisch orientiert sich der Song an Guy Ritchie’s Revolver und handelt davon, dass das eigene Ego das ist, was uns Menschen am Meisten im Weg steht. Lyrisch zeigt sich die Band auf ‚Diamond‘ durchweg nachdenklich und nahezu philosophisch.

Über eine Minute Instrumental-Einleitung gibt es bei ‚The Bond‘, das sich mit der Verbundenheit der Hardcore-Szene, Familie, Freunde usw. beschäftigt, während die erste Single ‚We Still Believe‘ sich sehr Melodie-lastig zeigt und absoluten Ohrwurm-Charakter hat.

Mit ‚Ring Loud‘ präsentiert die Band den krassesten Kontrast. Der Song zeigt sich zunächst als das härteste Stück der Platte, entpuppt sich im Mittelteil als sehr melodisch und bietet ein Duett mit weiblichem Klargesang. Ganz großes Kino und überaus stimmig! Auch hier zeigt sich die Band sehr nachdenklich und beschäftigt sich damit, dass die Menschheit sich stets als böse sieht und das Gefühl hat Buße tun zu müssen. Wie immer gibt die Band auch hier eine positive Message mit: Es ist menschlich gut zu sein und wir müssen aus Fehlern lernen uns zu entwickeln. Kein Gott hält uns davon ab, dass wir töten oder alles im Chaos versinkt. Nur wir selbst. Mitreißende Thematik, großartige Lyrics.

Die darauffolgenden Songs ‚Empty Hands‘ und ‚Beyond The Sun‘ beweisen ein weiteres Mal, dass die Band stets ihren brutalen Hardcore-Sound mit eingänglichen Melodien paaren kann, ohne den eigenen Stil zu vernachlässigen. Während Ersterer ein rauer Brocken ist, hat ‚Empty Hands‘ wieder absolutes Sommer-Hit- und Ohrwurm-Potenzial.

‚Life In A Box‘ ist ein Song gegen Homophobie, was der Band hoch anzurechnen ist. In einer Szene, in der es vielen darum geht kompromisslos hart zu sein ist ein solches Thema gewagt und doch ist es nötig, sich auch hier einzusetzen. ‚Bringing You Down‘ beschäftigt sich mit der Occupy Bewegung – Und wer könnte ein besserer Support für eine solche Thematik sein als Gast-Vocalist Carl Schwartz von First Blood. Dieser passt zu dem Song und dem Sound von Stick To Your Guns wie die Faust aufs Auge und was Jesse Barnett und Schwartz hier abliefern ist ganz groß!

‚Look me in my eyes you crooked fuck. Not one more goddamn lie. Your time is up. The rage that builds in us is bringing you down.‘

Der Vorletzte Song ‚D(I AM)OND‘ zeigt sich düster und nachdenklich und bietet die perfekte Überleitung auf das Finale ‚Built Upon The Sand‘, wo die Band ein letztes Mal richtig Dampf ablässt. Nach 12 Songs und etwas mehr als 34 Minuten ist alles vorbei und ‚Diamond‘ hinterlässt einen unglaublichen Eindruck.

Stick To Your Guns haben alles richtig gemacht! Sie haben ihren intensiven Sound verfeinert, bieten auf ‚Diamond‘ eine super dichte Atmosphäre, zeigen sich abwechslungsreich und Philosophisch. Mit dieser Platte ist die Band erwachsen geworden. Ich kann keinerlei Schwächen auf diesem Album erkennen. Mit ‚Diamond‘ haben Stick To Your Guns das höchstmögliche Level für den Stil der Band und eventuell weit darüber hinaus erreicht!

Dieses Werk ist nicht nur technisch auf höchstem Niveau, sondern bietet Denkansätze, harte und ernste Themen. Hier wurde Wert auf jedes Detail gelegt und alles passt am Ende zusammen. Die Musik ist einfach nur ehrlich, hat Herz und Seele und ist genau das, was Hardcore 2012 sein sollte! Unbändige Wut, reif inszeniert ohne an Leichtigkeit zu verlieren. Nach ‚Diamond‘ sind Stick To Your Guns nicht mehr nur wichtig, sondern eine absolute Referenz.

Über den Autor

Über Tool, Nine Inch Nails und Slipknot bis hin zu Deftones habe ich schon früh meine Begeisterung für harte und ehrliche Musik, gemacht mit Hand und Herz, entdeckt. Hardcore wurde dann zu meiner persönlichen, musikalischen Heimat, als ich 2002 vor der Bühne stand während Comeback Kid und Raised Fist mir diese neue Welt eröffneten. Bis heute begeistert mich, wie Bands derart ehrliche Musik in einem Gewand aus Wut, musikalischer Brillanz und greifbarem Songwriting verpacken können. Bereits jetzt habe ich dank dieser Musik so unendlich viel erlebt, Bands kommen und gehen sehen (Have Heart, Carpathian, Sierra uvm.), unzählige Menschen kennengelernt und überragende Alben für die Ewigkeit gehört. Auf die nächsten 15 Jahre!

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