Kaum Menschen, mieser Sound und ein extrem ungünstiges Gelände. Das waren meine ersten Eindrücke von Rock im Revier, einem Festival aus der Not geboren.

Den meisten dürften die Umstände bekannt sein:

Der Veranstalter von Rock am Ring (MLK) und die Betreiber des Nürburgrings konnten sich nicht auf eine Fortsetzung des Festivals einigen, weswegen dieses nach Mendig umzog. Die Ring-Betreiber versuchten, mit einem anderen Veranstalter, der DEAG, ein ähnliches Event auf die Beine zu stellen, dann gab es jedoch Streit zwischen den beiden Parteien, sodass die DEAG sich knapp zwei Monate vor Festival-Beginn entschloss, das geplante Festival nach Gelsenkirchen zu verlegen.

Wie oben schon beschrieben, mein erster Eindruck war unterirdisch. Möglicherweise lag es auch daran, dass freitags nachmittags ein guter Teil der Besucher noch gearbeitet hat, aber das Gelände um die Arena wirkte nahezu menschenleer. In der Arena bei Hatebreed sah es zumindest ein wenig voller aus, der erste Wellenbrecher war gefüllt. Der Sound war allerdings wirklich schlecht, möglicherweise dadurch, dass die Halle noch relativ leer war. Bei Metallica in der gut gefüllten Halle war der Sound abends nämlich wirklich ordentlich.

Zum Gelände muss man sagen, dass die Veltins-Arena und Umgebung nicht optimal für ein Festival sind. Außerdem wurden die Strecken zwischen den Bühnen durch die seltsame Wegführung noch verlängert. Hier besteht vor allem bei der mittelgroßen Bühne Verbesserungsbedarf.

Ein Lob muss ich den Veranstaltern an dieser Stelle für die Atmosphäre auf der kleinen Bühne, der Bang Stage (Wer hat sich diesen Namen ausgedacht?!) in einer kleinen dunklen Eishockeyhalle, und der mittleren Bühne, der Open Air Bühne namens Boom Stage, aussprechen. Die Konzerte hier versprühten immer ein gewisses Flair und wirkten selbst bei weniger Betrieb nie so einsam wie die vor der halbvollen und tageslichthellen Big Stage in der Veltins-Arena. Sogar Muse (siehe Bild) und Incubus wirkten hier sehr verloren.

Muse bei Rock im Revier

Die Bandauswahl habe ich bis heute nicht verstanden. Hier konnte ich wirklich gar kein Konzept erkennen. Es war aus allen möglichen Richtungen ein bisschen was dabei, aber aus keiner Richtung so viel, dass es sich für Fans der jeweiligen Richtung lohnte, ein Ticket zu kaufen. Aus diesem Grund wurden vermutlich auch wesentlich mehr Tages- als Wochenendtickets verkauft. Auf mich wirkte es, als sei das Line-Up zumindest teilweise nach der Maxime zusammengestellt worden, möglichst viele Rock/Metal-Bands zu buchen, die Rock am Ring auch buchen könnte ohne zu überlegen, ob das auch wirklich zusammenpasst.

Wie wir mittlerweile wissen, wird das Festival nächstes Jahr wieder in Gelsenkirchen stattfinden, dieses Mal mit einem gesamten Jahr Vorlauf. Zeit genug, noch an einigen Schrauben zu drehen und die Dinge, die bei der ersten Ausgabe nicht gepasst haben, zu beheben.

Über den Autor

Ich habe im Rock-/Metal-Bereich mittlerweile eigentlich alle Richtungen durch. Angefangen hat alles mit Linkin Park, AC/DC und The Offspring, dann kam die große Liebe System Of A Down. Das Interesse an der harten Musik wuchs immer mehr, genauso wie die Haare. Die Klamotten wurden schwarz, genauso wie der Metal. Ich hatte nie Probleme Dimmu Borgir und Steel Panther direkt nacheinander zu hören und konnte schon immer mit fast allem im harten Rock-Bereich etwas anfangen. Irgendwann mussten die Haare dann ab, die Klamotten wurden wieder bunter und der Musikgeschmack immer Hard-/Metalcore-lastiger. Heute höre ich zum Großteil Musik aus dieser Richtung, bin aber allem anderen gegenüber weiterhin sehr aufgeschlossen.

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