Promises Kept - Crossroads
Bewertung9
9Gesamtwertung

Promises Kept sind eine fünfköpfige Melodic Hardcore Band aus der Region Trier/Koblenz. Die Band hat schon vereinzelte Shows im Vorprogramm von Landscapes, Liferuiner, Defeater, Carpathian und Choking On Illusions gespielt. Das Album Crossroads wurde im Studio eines Freundes der Band in kompletter Eigenregie eingespielt.

 

Wenn man sich Alben von kleinen Bands aus der Gegend zum ersten Mal anhört, geht man normalerweise nicht mit allzu hohen Erwartungen heran. Man hofft natürlich, dass das Album passabel ist und man sich dann die eine oder andere Show der Band angucken gehen kann, aber die Enttäuschung über ein mieses Album würde sich auch in Grenzen halten.

[Spoiler] Das Album hat mich sowas von umgehauen!

Crossroads beginnt mit dem Song Revolt. Dieser beschreibt die Geschichte eines Freiheitskämpfers in einer Diktatur. Er verliert auf seinem Weg vieles, was ihm wichtig ist und entsprechend verzweifelt ist auch die Stimmung des Liedes. Trotz allem kämpft er weiter und verliert niemals die Hoffnung. Diese Hoffnung spiegelt sich ebenso wie die Verzweiflung im Sound des Songs wieder. Beim ersten Anhören erinnerte der Stil mich sofort etwas an Heart in Hand. Promises Kept interpretieren Melodic Hardcore auf eine ähnlich Art und Weise, allerdings gibt es auch deutliche stilistische Unterschiede. Beispielsweise finden sich im geschriehenen Gesang mehr Melodien und auch insgesamt sind Promises Kept etwas melodischer als Heart in Hand. Auf den wirklich starken Opener folgt der Titeltrack Crossroads auf dem Phil und Kris von Betray Your Idols mitwirken. Das qualitative Level bleibt konstant hoch, es wird sogar noch ein klein wenig angehoben. Gleichzeitig wird auch das Tempo leicht gesteigert. Der Song treibt ordentlich, ist dabei aber gleichzeitig auch etwas nachdenklich. Gesungen wird über wichtige Entscheidungen, die die Richtung des weiteren Lebensweges vorgeben. Die Lyrics auf Crossroads wirken insgesamt sehr durchdacht und besitzen Tiefgang. Es werden nicht einfach Standardthemen durchgeackert, sondern meist Extremsituationen beschrieben, die durch die Musik untermalt werden. Der Titeltrack ist gleichzeitig auch mein persönlicher Favorit auf dem Album. Das Qualitätsgefälle ist allerdings sehr gering.

Im Anschluss leitet ein Gitarrenintro den Track 309 Miles ein. Dieser Song ist eher ruhig und etwas melancholisch, da er eine Fernbeziehung beschreibt, dadurch aber auch sehr emotional und stimmungsvoll. Das Ende des Songs geht in ein ruhiges, sphärisches Interlude über. Dieses wiederum leitet den Song Cold Hands ein, der Vorab bereits in einem Video zu hören war. Cold Hands ist einer der härtesten Songs des Albums. Das Tempo wird wieder angezogen und im Gesamten klingt der Song sehr wütend und verzweifelt, was vermutlich daran liegt, dass der Gitarrist der Band hier den tragischen Tod seiner Großmutter verarbeitet.

Auf Believers begrüßen Promises Kept den nächsten Gastmusiker. Kebo von I Scream For Ice Cream schreit hier zusammen mit Promises Kept Sänger Steven seine Meinung zum Thema Kirche heraus. Diese fällt nicht sonderlich positiv aus, allerdings betonen Promises Kept, hier explizit die Institution Kirche zu kritisieren, nicht Glauben an sich. Dieses Lied mündet wie schon 309 Miles in einem Interlude, auch dieses wieder sehr ruhig und sphärisch.

Holding On motiviert sehr lautstark zu einem ehrlichen und selbstbestimmten Leben. Sowohl durch die Musik als auch durch die Lyrics wird viel positive Energie ausgestrahlt. Die Drums seien an dieser Stelle hervorgehoben, da sie dem Song beginnend beim Intro durch einen eher ungewöhnlichen Rhythmus ihren Stempel aufdrücken.

Nach diesem positiven Song findet mit Without Me eine 360-Grad-Wendung statt. Thema sind die Gedanken eines sterbenden Menschen, der versucht, gegen den Tod anzukämpfen. Textlich ist ein starker Spannungsbogen gegeben und musikalisch tut sich dieses Mal der Bass zum Beispiel mit einem Übergang vom Intro zur ersten Strophe etwas hervor. Die Atmosphäre wirkt auch bei diesem Song verzweifelt und wütend, passend zum Kampf gegen den Tod.

An dieser Stelle ist ein thematischer und musikalischer Cut zu spüren. Bis hierher haben Promises Kept Melodic Hardcore gespielt, der oft etwas melancholisch und verzweifelt daherkam. Der nächste und letzte Song Never Alone bricht nun etwas damit. Das ist kein Zufall, da er aus der Zeit stammt, in der Promises Kept klassischen Hardcore gespielt haben. Danach klingt der Song auch und in den Lyrics wird die Freundschaft und der Zusammenhalt beschworen. Er stellt ein absolut würdiges Ende dar und belegt, dass Promises Kept nicht nur „Melodic“ können, sondern auch noch die alte Hardcore Schule beherrschen.

Dieses Album hat mich wirklich vollkommen unerwartet richtig begeistert. Die fünf Herren aus der Region Trier/Koblenz haben hier einiges richtig gemacht und ich kann dieses Album wirklich jedem Hardcore-Fan ans Herz legen. Gebt Crossroads eine Chance, es ist jede Minute wert.

Über den Autor

Ich habe im Rock-/Metal-Bereich mittlerweile eigentlich alle Richtungen durch. Angefangen hat alles mit Linkin Park, AC/DC und The Offspring, dann kam die große Liebe System Of A Down. Das Interesse an der harten Musik wuchs immer mehr, genauso wie die Haare. Die Klamotten wurden schwarz, genauso wie der Metal. Ich hatte nie Probleme Dimmu Borgir und Steel Panther direkt nacheinander zu hören und konnte schon immer mit fast allem im harten Rock-Bereich etwas anfangen. Irgendwann mussten die Haare dann ab, die Klamotten wurden wieder bunter und der Musikgeschmack immer Hard-/Metalcore-lastiger. Heute höre ich zum Großteil Musik aus dieser Richtung, bin aber allem anderen gegenüber weiterhin sehr aufgeschlossen.

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