Obey the Brave - Salvation
Bewertung8
8Gesamtwertung

Zunächst muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich in meinem ganzen Leben noch keinen einzigen Ton von einem DespisedIcon-Song gehört habe, da diese sich gerade aufgelöst hatten, als ich begann, mich ernsthaft für Hard-/Metalcore zu interessieren. Ein großer Fan von Obey the Brave war ich bislang auch nicht. Ich habe mir auf einem Festival einen halben Song der Band, die offenbar nicht ihren besten Tag erwischt hatte, angesehen und ihr seitdem keine zweite Chance gegeben. Auch Despised Icon waren für mich vorerst uninteressant, da OtB die Band des ehemaligen DespisedIcon-Sängers Alex Erian sind und ich davon ausging, dass deren Musik dadurch ähnlich uninteressant für mich sein muss. Mehr durch Zufall fiel mir dann Salvation in die Hände. ZUM GLÜCK!

Um nicht vorbelastet zu sein, habe ich mir übrigens bis zur Fertigstellung dieser Review immer noch keinen einzigen DespisedIcon-Song angehört, werde dies aber auf jeden Fall nachholen.

Mit Short Fuse haben Obey the Brave eine fette Ansage an den Beginn von Salvation gestellt: Das hier wird grooven, es wird böse und es wird Spaß machen. Der Groove zeigt sich vor allem darin, dass ein für diese Musikrichtung verhältnismäßig langsamer Rhythmus fast konstant gehalten und nur im Refrain oder für einen Breakdown verlassen wird. Dazu growlt/schreit Alex Erian ebenfalls sehr rhythmisch, fast rap-artig (Short Fuse, C´est La Vie). Hier beginnt jedoch auch der „böse“ Teil des Albums, denn mit dem Rap-artigen wechseln sich Stellen ab, an denen man sich fast im Melodic Death Metal wiederfindet (Into The Storm). Diese komplett unterschiedlichen Klänge verursacht Alex Erian dadurch, dass er leicht anders betont und den Druck in seiner Stimme verändert. Instrumental ändert sich beinahe nichts. All das verleiht den Liedern viel Intensität, gerade live dürfte das für Abrisse sorgen. Was diese Abrisse garantiert noch steigert, sind die nicht wenigen aber trotzdem präzise eingesetzten Breakdowns. Diese machen sowohl einen Teil des „bösen“ wie auch einen großen Teil des „spaßigen“ Parts des Albums aus. Dieser „spaßige“ Teil des Albums kommt dann in vielen Refrains so richtig heraus. Diese sind oft melodisch und bleiben im Ohr (Raise Your Voice, Next Level). Doch auch wenn der Gesang hier teilweise clean ist, so ist er doch in jedem Moment sehr rau und wird häufig durch Gangshouts ergänzt. Die Melodien werden auch von den Instrumentalisten sehr stark gestützt. Zocken diese in den Strophen und Breakdowns brutalst präzise ihre abgehackten Rhythmen, klingen die Refrains mehr nach lässigem Stadion-Rock. Genau diese Kombination macht dieses Album für mich so stark. Es vermittelt eine Menge Spaß, hat Melodien, trotzdem klingt es zu keinem Moment irgendwie schwach auf der Brust. Dieses Album hat Eier und massenweise Hits. Und eben weil dieses Album so viel Spaß vermittelt, so viel Melodie und trotzdem auch Wut im Bauch und die Faust in der Luft, ist es egal, dass die Texte meiner Meinung nach vor Worthülsen nur so strotzen und im Grunde nur von „niemals aufgeben“, „immer weiter machen“ und „wir stehen zusammen“ handeln und dass das spielerische Niveau, auf dem sich die Instrumentalisten bewegen, nicht das allerhöchste ist. Salvation ist für mich ein optimales Autoradio- und Live-Album und ich denke, genau diesen Spaß will die Band beim Zuhörer hervorrufen. In diesem Sinne: Mission geglückt!

 

 

 

Über den Autor

Ich habe im Rock-/Metal-Bereich mittlerweile eigentlich alle Richtungen durch. Angefangen hat alles mit Linkin Park, AC/DC und The Offspring, dann kam die große Liebe System Of A Down. Das Interesse an der harten Musik wuchs immer mehr, genauso wie die Haare. Die Klamotten wurden schwarz, genauso wie der Metal. Ich hatte nie Probleme Dimmu Borgir und Steel Panther direkt nacheinander zu hören und konnte schon immer mit fast allem im harten Rock-Bereich etwas anfangen. Irgendwann mussten die Haare dann ab, die Klamotten wurden wieder bunter und der Musikgeschmack immer Hard-/Metalcore-lastiger. Heute höre ich zum Großteil Musik aus dieser Richtung, bin aber allem anderen gegenüber weiterhin sehr aufgeschlossen.

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