Die Impericon Never Say Die! Tour 2011 macht Halt in Esch/Alzette und, da es schon fast Tradition ist, muss diese Tour mindestens ein mal im Jahr besucht werden. Das diesjährige Line-Up verspricht schon ein mehr als Gutes Erlebnis zu werden: Vanna, The Human Abstract, die Deathcore-Pioniere As Blood Runs Black, The Word Alive, Deez Nuts, Emmure und die (Achtung: Wortspiel) schwarze Krönung: Suicide Silence!

Voller Vorfreude treffe ich also in der Kulturfabrik in Esch ein und stelle fest, dass ich Vanna und The Human Abstract verpasst habe, was schade ist, da beide sicherlich absolut sehenswert sind! Vanna aus Boston sind momentan in aller Munde und auch wenn ich diesen Mix aus klarem Gesang und Gegrowle eigentlich nur sehr selten als gelungen empfinde, hätte ich mir dieses Spektakel gerne angeschaut. The Human Abstract habe ich zuvor schon einige Male gesehen und fand bisher jeden Auftritt überzeugend.

Sei es drum: Der Abend ist ja noch lange nicht zu ende und As Blood Runs Black zeigen direkt mal in welche Richtung dieses Event sich kloppt. Satter Sound und ein perfekt passender, neuer Sänger machen diesen Auftritt zum Highlight! Die Band passt mehr zusammen als je zuvor und überzeugt wie immer durch Spielfreude und Power. Sänger Sonik Garcia avanciert zur Speerspitze der bisherigen As Blood Runs Black Fronter und geht ab wie eine aufgewühlte Rinderherde kurz vor der Schlachtung. Genial! Dieser Mann ist Fan und ein mehr als passender, neuer Sänger zugleich. Hoffen wir, dass nach den gemeinsamen Touren und dem Überalbum Instinct noch einige Veröffentlichungen folgen.

The Word Alive ist eine sehr junge Band aus Arizona, reisst sich an diesem Abend direkt den Allerwertesten auf und passt doch gar nicht so ins Line-Up der Never Say Die! Tour 2011. Der Mix aus klarem Gesang, brachialem Soundgewitter und Gegrowle bewegt an diesem Abend leider niemanden. Auch für mich gehen die Songs der Band fast ins Unerträgliche. Klar: Geschmacksache! Aber an diesem Abend irgendwie fehl am Platz. Was man der Band nicht vorwerfen kann ist, dass sie nicht alles versucht haben!

Nach The Word Alive und Umbauarbeiten in löblicher Geschwindigkeit (am gesamten Abend) betritt J.J. Peters mit seinen Jungs die Bühne. Was für ein Workaholic dieser J.J. doch ist. Touren Deez Nuts doch in diesem Jahr so ziemlich jedes Festival, das man sich im Hardcore-Bereich vorstellen kann. Dann die Reunion von I Killed The Prom Queen inklusive Comeback-Tour – Aber egal: Zurück zu diesem Abend. Deez Nuts sind wie immer: Lässig, unterhaltsam, druckvoll und gut. Aber man hat die Band schon besser gesehen. Der Sound ist nicht perfekt abgestimmt und heute leider der Schwächste der Show. J.J. hält sich ebenfalls sehr zurück und doch wir die Band gefeiert. Das ist natürlich in Ordnung und soll ja auch so sein.

Kommen wir zu Emmure. Für mich die Überraschung des Abends, habe ich doch Emmure bereits nach ihrem dritten Output für mich eigentlich abgeschrieben. Zu sehr war ich enttäuscht von weiteren Werken nach dem starken Goodbye To The Gallows und der dazugehörigen Tour. Dann die öffentliche Selbstdarstellung von Emmure als One-Man-Show von Frontmann Frankie Palmeri und dem unnötigen, kindischen, öffentlichen Streit mit Drummer Mike Kaabe oder der Band Endwell. Diese ganzen Erfahrungen und Verurteilungen mal zurückgestellt, liefern Emmure an diesem Abend jedoch eine ultra fette Show hin. Der Sound ist der Satteste und brutalste des Abends. Die Band erzeugt ein Erdbeeben und schafft es ihre Songs perfekt darzubieten. Sänger, sowie Sound und Rhytmusabteilung sind voll bei der Sache und überzeugen auf ganzer Linie.

Dann ist es soweit: Suicide Silence, der Headliner des Abends lässt sich zunächst erst mal feiern und eröffnet, wie einige Monate zuvor auf der Headliner-Club-Tour mit Wake Up. Wie erwartet und gewohnt sind Suicide Silence technisch überragend und Mitch ist, wie immer, überzeugend biestig und brutal. Ich habe es in anderen Reviews bereits gesagt, muss es aber wieder tun: Mitch ist der absolute Frontmann. Dieser Typ lebt Deathcore und ist dabei überragend: Er keift, er kreischt, er growled und animiert das Publikum in jeder Sekunde.

Suicide Silence überzeugen mit einem monsterhaften Sound und bringen die Kulturfabrik zum Beben. Leider ist ganz schnell schluss und ohnehin hatten die einzelnen Bands nur wenig Zeit. Dennoch ein sehr gelungener Abend.

Über den Autor

Über Tool, Nine Inch Nails und Slipknot bis hin zu Deftones habe ich schon früh meine Begeisterung für harte und ehrliche Musik, gemacht mit Hand und Herz, entdeckt. Hardcore wurde dann zu meiner persönlichen, musikalischen Heimat, als ich 2002 vor der Bühne stand während Comeback Kid und Raised Fist mir diese neue Welt eröffneten. Bis heute begeistert mich, wie Bands derart ehrliche Musik in einem Gewand aus Wut, musikalischer Brillanz und greifbarem Songwriting verpacken können. Bereits jetzt habe ich dank dieser Musik so unendlich viel erlebt, Bands kommen und gehen sehen (Have Heart, Carpathian, Sierra uvm.), unzählige Menschen kennengelernt und überragende Alben für die Ewigkeit gehört. Auf die nächsten 15 Jahre!

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