09.03.2016, Artheater Köln-Ehrenfeld

Als Publikum eines Konzertes hat man ja, zugegebenermaßen, immer den Drang, den Bands auch einen schönen Abend zu bescheren. Ihnen etwas zurückzugeben für die Gefühle, die sie mit ihrer Musik in einem wecken.

FJØRT haben es geschafft, diesen Drang durch die Show-Videos von Iconographic noch weiter zu steigern. Das ausverkaufte Artheater ist voll mit Menschen, die Bock haben.

Der Abend beginnt allerdings nicht mit FJØRT, sondern mit den Briten von WE NEVER LEARNED TO LIVE. Sie bringen das Publikum schon in den ersten Minuten dazu, mit den Köpfen zu wippen und in lautstarken Applaus auszubrechen. WE NEVER LEARNED TO LIVE spielen sehr facettenreiche Post-Rock, eigentlich kann man sich nie wirklich sicher sein, ob gerade ein neuer Song begonnen hat oder der Song sich nur extrem verändert hat. Auch die Wechsel zwischen Shouts und Gesang sind wie von Platte. Songtipp: „Twitching in every apology“
Aus den deutsch-englischen Ansagen lässt sich erahnen, dass dieses Konzert in Köln zumindest für WE NEVER LEARNED TO LIVE das bestbesuchte Konzert war. Da macht es auch nichts, dass vor der Bühne noch ein bisschen Platz ist. Gegen Ende der Show nutzt einer der zwei Gitarristen den Platz, um sich einfach selbst vor die Bühne zu stellen. Nach 40 Minuten sind die Briten durch mit ihrem Set.

Der Platz vor der Bühne wird kleiner, als die Umbaupause sich dem Ende entgegen neigt. Gleich kommen sie, FJØRT, auf die jeder hier wartet.
„In Balance“ und „Anthrazit“ machen den Anfang. Beim Publikum herrscht keinerlei Zurückhaltung mehr. Sobald Bassist David oder Sänger Chris sich auch nur in die Nähe der ersten Reihe bewegen, kommen ihnen sofort Köpfe entgegen, um ihnen die eigenen Texte ins Gesicht zu brüllen. Trotzdem lassen sich Chris und David nicht zu viel Gesang abnehmen. FJØRT klingen wie von Platte, nur noch besser. Noch echter, noch wütender, gefühlvoller, großartiger.
Auch das Debütalbum „D’accord“ darf auf der Setlist nicht fehlen, Songs wie „Fauxpas“, „Gescholten“ und Titeltrack „D’accord“ sind vertreten.
Dann folgt der Track, der erwartungsgemäß nicht unkommentiert gespielt wird. „Paroli“ findet klar Worte und auch David findet klar Worte gegen die Rechten in Deutschland. Er ruft dazu auf, zu den anstehenden Wahlen zu gehen, damit genau diesen Rechten gezeigt wird, dass sie unerwünscht sind. Jubel. Zustimmung. „Auf zwei von denen kommen zehn von uns“ ist wohl der am lautesten gebrüllte Satz des Abends.
Auch „Kleinaufklein“ von der ersten EP „Demontage“ wird mit einer kleinen Anekdote angekündigt, in der Paul, Gründer von Through Love Records nicht unerwähnt bleibt („Der steht vorne und verkauft Shirts. Drückt ihn mal, das hat er verdient“).
Mit „Lebewohl“ endet das Konzert. Würde man meinen. Wenn da nicht nicht zwei herausragende Songs gefehlt hätte. FJØRT  kehren noch einmal zurück, „Lichterloh“ und „Valhalla“ folgen. Und was da im Publikum abgeht zeigt: Alle haben sich die Videos von Iconographic zum Vorbild genommen und rasten vollkommen aus.

Satte 90 Minuten haben FJØRT ein absolutes Brett abgeliefert. Und so endet ein wunderbarer Abend, bei dem das Publikum wohl das schaffte, was es sich vorgenommen hat: Der Band etwas zurückzugeben. Glücklich strahlend verbeugen sich FJØRT vor und nach der Zugabe (die sind die Einzigen, die das dürfen!) und betonen, wie gut es ihnen in Köln und auf ihrem bisher größten Konzert gefallen hat.

Danke, das können wir alle nur erwidern.

Über den Autor

In der Schule konnte man mich mit der Analyse von Musik jagen. (An dieser Stelle ein großes "Dankeschön" an Herrn Opel und Herrn Arndt. Danke für's Miesmachen.) Mittlerweile habe ich aber doch gemerkt, wie viel Spaß man mit dem Hören, Analysieren und Bewerten von Musik haben kann. Von mir gibt's die komplette Bandbreite: Von Folk über Pop-Punk bis hin zu Metal und Hardcore.

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