Im Folgenden möchte ich das Jahr 2014 noch einmal Revue passieren lassen. Da sich bei mir meist erst einige Monate/Jahre später herauskristallisiert, welche Alben aus einem Jahr mir wirklich ans Herz gewachsen sind, verzichte ich auf eine Rangfolge. Die Reihenfolge ist vollkommen zufällig.

 

Meine Alben des Jahres 2014 (zufällige Reihenfolge)

 

Being As An Ocean – How We Both Wondrously Perish

BAAO habe ich insgesamt als Band erst dieses Jahr richtig für mich entdeckt. Wie diese Band Gefühl und Härte, Schmerz und Wut in Musik umwandelt, fasziniert mich. Beim zweiten Album war es wie beim Debüt: irgendwie gemocht habe ich das Album von Beginn an. So wirklich gezündet hat es aber erst nach einer Zeit. Wenn es aber dann einmal gezündet hat, ist es ein Album zum Zurücklehnen und Genießen, wenn man es allein zu Hause oder im Auto hört, gleichzeitig kann man live aber auch super drauf abgehen. Dazu kommt dann einfach die wahnsinnig positive, herzliche und ansteckende Art der Band. Vor allem Sänger Joel Quartuccio hat eine so positive Ausstrahlung, dass man allein schon wegen der einzigartigen Atmosphäre eine Show der Band besucht haben muss, auch wenn man kein Fan ist. Das erstaunliche ist, dass diese Energie sowohl bei kleinen Club-Shows mit 100 Leuten als auch bei Festival-Auftritten vor mindestens 5000 Leuten zu spüren ist. In jedem Moment merkt man der Band an, wie sehr sie selbst ihre Musik liebt und mit was für einer Überzeugung sie diese spielt. Ich möchte mich an dieser Stelle einfach bei Being As An Ocean bedanken, denn es ist lang her, dass eine Band mir so viel geben konnte. Wer diese Band noch nicht kennt: Anhören!

Meine Review zu HWBWP findet ihr hier.

 

The Ghost Inside – Dear Youth

Da ich erst vor einiger Zeit von der Metalszene über Metalcore immer tiefer in die Hardcoreszene gerutscht bin, bin ich nicht wirklich mit den älteren Alben von The Ghost Inside vertraut. Get What You Give lief bei mir zwar in Dauerschleife, das war es dann aber auch mit meinen TGI-Kenntnissen. Dear Youth hat mich überrascht. Es ist positiver, freundlicher, fast würde ich sagen poppiger als Get What You Give. Genau das hat mich gepackt, weil ich es nicht erwartet habe, weil es einfach sehr sehr gut gemacht ist und weil es eine wirkliche Weiterentwicklung des Sounds zeigt.

Stevens Review zu Dear Youth findet ihr hier.

 

Marathonmann – … und wir vergessen, was vor uns liegt + Kein Rückzug, kein Aufgeben – EP

Marathonmann fallen manchmal in der Szene ein bisschen aus dem Rahmen. Die Band hat einen starken Punk-Einschlag und versteckt diesen keineswegs. Auch die Attitüde der Band ist irgendwie anders. Sänger Michi tritt häufig mit einem zusammengefalteten um den Kopf gebundenen Halstuch auf, was ihn irgendwie nach Hippie aussehen lässt und auch seine Texte sowie die Ansagen zwischen live gespielten Song drehen sich oft um Liebe, Gefühle etc.. Mit Jennifer Rostock auf Tour zu sein ist jetzt auch nicht unbedingt der perfekte Schachzug für ein Brachial-Image. Während Being As An Ocean Gefühle perfekt in Musik verpacken können, kommt es mir bei Marathonmann so vor, als wären die Gefühle gänzlich unverpackt und direkter als bei BAAO. Dies macht einen ganz anderen Reiz aus und ist auf seine Art und Weise gut. Die beiden Veröffentlichungen in diesem Jahr sind hier gute Beispiele. Akustik-Versionen mit sehr rauer Stimme? Why not? Funktioniert super.

 

 

Promises Kept – Crossroads

Promises Kept ist die Band, in der mein Freund und Vanitycore-Kollege Steven sich seine Stimmbänder ruiniert. Die Jungs haben in den letzten Monaten ihr Debüt-Album aufgenommen, welches mich persönlich einfach (vollkommen unbefangen) begeistert hat. Wie man wahrscheinlich mittlerweile gemerkt hat, bin ich ein Fan von Musik, die Gefühl und Härte verbindet. Genau diese Mischung ist auf Crossroads einfach ziemlich gut gelungen. Die Melodieführung in den Gitarren, der geschriene Gesang, der trotzdem noch so clean ist, dass die (auf jeden Fall hörenswerten) Lyrics gut zu verstehen sind, all das klingt einfach gut und hat das Album bei mir sofort zu einem Dauerbrenner gemacht.

Meine Review zu Crossroads findet ihr hier.

Herunterladen könnt ihr das Album hier.

 

 

Slipknot – .5: The Gray Chapter

Von Slipknot hatte ich nicht mehr viel erwartet. Streitereien, ein hin und her zwischen den einzelnen Mitgliedern, Joey Jordison weg, Paul Grey weg und wenn ein neues Album kommt, wer sorgt jetzt dafür, dass das kein Stone Sour Album wird? (Nicht, dass ich Stone Sour nicht mag, aber wenn auf einem Album Slipknot steht, erwarte ich Gebolze oberster Güte!)
Slipknot haben abgeliefert und zwar richtig ordentlich. Die Truppe knüppelt sich durch all ihre Phasen und sogar die vorhandenen Stone-Sour-Anwandlungen passen irgendwie ins Gesamtkonzept und können als Weiterentwicklung durchgehen.

Stevens Review zu .5: The Gray Chapter findet ihr hier.

 

In Flames – Siren Charms

Beim Namen In Flames denkt man seit einigen Jahren nicht mehr nur an Death Metal sondern auch an feinsten melodischen Modern Metal mit leicht elektronischem Einschlag. Auf Siren Charms machen In Flames den nächsten Schritt weg von ihrem ursprünglichen Sound und auch dieser steht der Band ausgezeichnet. In meinen Augen eines der Vorzeigebeispiele für echte musikalische Entwicklung und ein Hammeralbum.

 

King 810 – Memoirs Of A Murderer

Dieses Jahr hat sich im Schatten des Slipknot-Comebacks eine neue Macht im extremen Industrial Metal (oder wie auch immer man diese Stilrichtung beschrieben will) positioniert. King 810 interpretieren Metal auf eine ähnlich brutale und wütende Art und Weise, klingen aber unter anderem durch die im wahrsten Sinne des Wortes wahnsinnige Stimme von Sänger David Gunn trotz aller Ähnlichkeiten eigenständig und anders. Das Debüt ist schon sehr ordentlich (Fat Around The Heart unbedingt anhören), die Jungs sollte man im Auge behalten.

 

Linkin Park – The Hunting Party

Linkin Park? Neues Album? Interessiert doch keinen mehr… Und dann kam diese wahnsinnige Single namens Guilty All The Same! Ich hatte Linkin Park nach diesen beiden meiner Meinung nach richtig furchtbaren Alben für alle Zeiten abgeschrieben und hatte wirklich gar keine Hoffnung mehr, dass diese Band jemals zurück in den Rock-Bereich kommt. Die Single habe ich mir auch mehr angehört um sagen zu können: „War eh klar, dass das scheiße wird“, als dass ich noch irgendwelche Hoffnungen gehabt hätte. In der Kurzfassung: Die Single hat mich weggeblasen, das Album über weite Strecken ebenfalls. Die furchtbare Pop-Ballade Final Masquerade schiebe ich einfach darauf, dass halt noch irgendwas fürs Radio auf die Platte musste.

 

Bury Tomorrow – Runes

Spätestens seit The Union Of Crowns liefern Bury Tomorrow Metalcore der Extraklasse mit einem eigenen Anstrich ab. Dieser Weg wird auf Runes einfach konsequent weitergegangen und die Band nimmt sich Zeit, auch Feinheiten noch zu perfektionieren.

 

Architects – Lost Forever // Lost Together

Hammeralbum einer Hammerband. Nicht viele Bands thematisieren so wichtige Themen und verpacken sie dazu noch in so gewaltige Musik. Außerdem live eine wahre Macht.

Anikas Review zu Lost Forever // Lost Together findet ihr hier.

 

Fast in die Liste geschafft hätten es:

Obey The Brave – Salvation / Caliban – Ghost Empire / Machine Head – Bloodstone & Diamonds / Arch Enemy – War Eternal / Wovenwar – Wovenwar / No Bragging Rights – The Concrete Flower / Heart In Hand – A Beautiful White / Climates – Body Clocks

 

 

Enttäuschung des Jahres:

 

Emil Bulls – Sacrifice To Venus

Ich werde einfach nicht warm mit diesem Album… Die vorherigen Alben der Bulls habe ich wirklich sehr gemocht, aber was sie sich bei Sacrifice To Venus gedacht haben, weiß ich nicht. Das Markenziechen der Band, die extrem melodischen Refrains mit Christs einzigartiger Stimme, ist zumindest teilweise verloren gegangen. Wenn es einen solchen gibt, klingt er meist irgendwie billiger als auf den vorherigen Alben. Auch die Texte finde ich etwas seltsam. Was hinzukommt, ist, dass auch live zu beobachten war, dass die neuen Lieder einfach nicht so zünden wie die „alten“ (alle vor 2014). Schade, ich hoffe darauf, dass das einfach ein einmaliger Patzer war und das nächste Album wieder zündet.

Über den Autor

Ich habe im Rock-/Metal-Bereich mittlerweile eigentlich alle Richtungen durch. Angefangen hat alles mit Linkin Park, AC/DC und The Offspring, dann kam die große Liebe System Of A Down. Das Interesse an der harten Musik wuchs immer mehr, genauso wie die Haare. Die Klamotten wurden schwarz, genauso wie der Metal. Ich hatte nie Probleme Dimmu Borgir und Steel Panther direkt nacheinander zu hören und konnte schon immer mit fast allem im harten Rock-Bereich etwas anfangen. Irgendwann mussten die Haare dann ab, die Klamotten wurden wieder bunter und der Musikgeschmack immer Hard-/Metalcore-lastiger. Heute höre ich zum Großteil Musik aus dieser Richtung, bin aber allem anderen gegenüber weiterhin sehr aufgeschlossen.

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