Interview: Tigers Jaw

 

Tigers JawTigers Jaw bestehen eigentlich nur noch aus zwei Personen: Brianna und Ben. Trotzdem stehen sie auf Konzerten mit einer ganzen Band auf der Bühne. Letzte Woche spielten sie vor einem ausverkauften Blue Shell in Köln ihr erstes Deutschland-Konzert. Vorher haben sie mit uns ein bisschen über ihre Zwei-Mann-oder-doch-mehr-Band gesprochen.

VC: Ihr habt Ende Juni ein Akustik-Album veröffentlicht, wie ist es dazu gekommen?

Ben: Nachdem unsere ehemaligen Bandmitglieder die Band verlassen hatten, experimentierten wir ein bisschen herum und versuchten herauszufinden, wie es weitergehen soll. Dabei kamen dann die akustischen Versionen unserer Songs heraus. In einer Live-Session bei einem befreundeten Studioinhaber wurden die dann aufgenommen und sie sind echt gut geworden.

VC: Wie sieht das Feedback zu dem Album aus?

Ben: Bisher klangen alle begeistert. Wir haben da eine sehr reduzierte Form unserer Song veröffentlicht, nur eine Gitarre und Gesang.

Brianna: Das sind nur wir, es wurde so gelassen, wie wir es eingespielt haben. Deshalb schmeichelt es uns umso mehr, wenn Leute darüber etwas Gutes sagen.

Ben: Genau, es ist eine echte Performance. Das hat großen Spaß gemacht, war aber auch nervenaufreibend. Jeden Fehler, den du machst, hört man. Dadurch öffneten sich aber auch viele Türen für uns. Wir durften einige Akustik-Shows in Amerika spielen.

VC: Wird es eine ganze Akustik-Tour geben?

Brianna: Wir arbeiten daran. Bisher haben wir einige Konzerte an der Ostküste gespielt. Ich hoffe, dass die Westküste bald dazu kommt.

Ben: Da wird jetzt endlich Full-Time touren können, können wir viel mehr machen. Mit ganzer Band und nur Akustik.

VC: Also ist Tigers Jaw jetzt euer Full-Time-Job?

Brianna: Momentan ja, wir müssen verrückt sein. Ich hätte niemals gedacht, dass es dazu kommt. Vorher hieß es immer: Schule, Tigers Jaw und Arbeit. Es ist seltsam, jetzt sagen zu können: Das ist das, was wir machen.

Ben: Es ist toll.

VC: Werdet ihr heute auch ein paar Akustik-Songs zum Besten geben?

Brianna: Nein, wir hatten in unserem Transporter leider keinen Platz mehr für eine Akustikgitarre.

(lachen)

Ben: Es ist entweder-oder. Wenn wir zu Zweit spielen, dann akustisch. Wenn wir aber die Chance bekommen, als ganze Band auf der Bühne zu stehen, dann nehmen wir die wahr. Wir wollen die Show dann auch nicht als „Full-Band“ verkaufen, aber Akustik spielen. Deshalb versuchen wir immer, das voneinander zu trennen.

VC: Nachdem die alten Mitglieder die Band verlassen haben, wie entscheidet ihr, wer live mit euch spielen soll? Gibt’s da Castings?

Brianna: Nein, wir haben das Glück, sehr viele talentierte Freunde zu haben, die mit uns auf Tour gehen wollen. Luke (Drums) spielt am Ende dieser Tour sogar sein 100. Konzert mit uns. Allein durch ihn lernten wir sehr viele Menschen kennen, die mit uns gespielt haben. Wir hatten Glück.

Ben: Luke ist einer dieser Menschen, die jeden kennen. Er hat viele Freunde, die Instrumente spielen. Mittlerweile haben wir Musiker gefunden, die ziemlich regelmäßig mit uns spielen. Auf den ersten zwei Touren nachdem die anderen ausgestiegen sind, haben wir sehr viel durchgewechselt. Wir sehen die Vorteile, die es hat, immer mit den gleichen Musikern auf der Bühne zu stehen. Wir wollten aber auch nichts überstürzen, um nicht später zu merken, dass die Auswahl nicht zu uns passt. Wir nehmen uns Zeit und schauen, was sich gut anfühlt.

VC: Wie sieht es mit neuem Material von euch aus?

Brianna: Heute geht ein Song online, den wir für Kevin Devines Split aufgenommen haben. Das ist In Between Days von The Cure. Das ist vermutlich das neueste Material von uns. Der Rest des Jahres ist mit der Tour verplant, aber danach werden wir uns wieder Zeit nehmen, um Songs zu schreiben.

Ben: Ja, man sollte auf Tour nicht schreiben und aufnehmen.

Foxing über Tigers Jaw

FoxingAuch Foxing hatten Spaß daran, Fragen über Tigers Jaw zu beantworten.

VC: Wie habt ihr Tigers Jaw kennengelernt?

Josh: Wir hatten schon vor der Tour viele gemeinsame Freunde, die Musikszene in den USA ist dadurch relativ eng verbunden. Richtig kennengelernt haben wir uns allerdings erst zu Beginn der Tour.

Conor: Zwei von uns waren früher in einer Band, die vor sieben Jahren mal mit Tigers Jaw gespielt hat.

VC: Was mögt ihr an der Band?

Ricky: In der Highschool hat mir jemand ein Mixtape gemacht, aber nicht draufgeschrieben, welcher Song von wem ist. Und ich habe einen Song immer und immer wieder gehört, weil der so toll war. Ich dachte, er wäre von einer 90er Band. Als ich dann rausfand, von wem der Song ist, war ich noch glücklicher. Tigers Jaw schreiben so emotionale Texte.

Conor: Die Riffs. Die sind so catchy. Textlich haben die echt was drauf, aber es braucht eine richtig gute Band, damit die Riffs im Kopf hängen bleiben. Auf dem „Charmer“ besteht jeder Song aus tollen Hooks.

Tigers Jaw über Tigers Jaw:
Brianna: Ich liebe unsere Songs, vermutlich, weil ich sie nicht selber schreibe. Man sollte genießen, was man macht.
Ben: Ich mag die Energie, die in den Songs steckt. Diese Songs zu spielen, hat uns nach Deutschland gebracht, das ist einfach unglaublich. Ich finde es wichtig, dass man seine eigenen Gefühle und Erfahrungen in Songs verarbeiten kann.

VC: Habt ihr Lieblingssongs?

Conor: Slow Come On

Ricky: Gleichfalls.

Josh: Charmer

Jon: Auch Charmer.

Eric: Saw Water

Tigers Jaw über Tigers Jaw:
Brianna: Ich mag Two Worlds und Hum besonders.
Ben: Hum ist toll. Und ein Song, den Adam damals geschrieben hat: Slow Come On.

VC: Gibt es etwas, das ihr an ihnen verändern würdet?

Ricky: Ich wäre in der Band.

Conor: Genau, sie sollen jedes Mitglied durch einen von uns ersetzen.

(Alle lachen)

Tigers Jaw über Tigers Jaw:
Brianna: Gitarre würde ich gerne mal in einer Band spielen.
Ben: Manchmal hätte ich gerne eine andere Stimme.
Brianna: Nein, bitte nicht!

VC: Wie stellt ihr euch das Songwriting vor?

Ricky: Ich denke Ben schreibt die meisten Songs. Vor „Charmer“, mit den anderen Mitgliedern, saßen sie bestimmt immer zusammen zum Schreiben. Ben dürfte aber größtenteils der Songwriter sein.

Josh: Im Moment wären das wohl Ben und Brianna, der Rest ist eher eine Live-Band. Vorher spielte noch jemand anderes Gitarre und hat gesungen. Ich glaube er und Ben waren für das Songwriting zuständig. Das ist natürlich reine Spekulation.

Tigers Jaw über Tigers Jaw:
Ben: Erst schreibe ich das Grundgerüst. Und dann sprechen wir darüber und entwickeln die Ideen gemeinsam weiter.
Brianna: Seit der Rest der Band ausgestiegen ist, versuche ich auch etwas mehr zu schreiben. Aber das meiste macht Ben. Wir arbeiten erst alleine und dann zusammen.

VC: Könnt ihr euch vorstellen, woher der Bandname kommt?

Conor: Schwieriges Thema, wir haben da auch schon mal drüber geredet. Da fehlt nämlich ein Apostroph für Tiger’s Jaw (Kiefer vom Tiger).

Josh: Wir sollten sie fragen.

VC: Das übernehme ich nachher für euch.

Jon: Es ist ein Mysterium. Aber vielleicht wollen wir es auch gar nicht wissen …

Eric: Vielleicht kommt es von einem Tiger Kiefer.

Conor: Ja, aber dafür fehlt das Apostroph.

Tigers Jaw über Tigers Jaw:
Ben: Es gibt da einen Songwriter namens Phil Elvrum, der hatte mal das Projekt „The Microphones“. In einem der Songs geht es um den Tiger’s Jaw. Adam fand diese Textzeile („Stuck with arrows, tarred and feathered, In a tiger’s jaw, loving living raw“) ziemlich cool.
Brianna: Und das Apostroph fehlt, weil es so einfach schöner aussieht. Wen interessiert’s?
Ben: Leute, die sich für Grammatik interessieren, hassen uns dafür. Aber wenn man das auf Shirts oder so schreibt, sieht das Apostroph einfach bescheuert aus. Das ist künstlerische Freiheit!

VC: Jetzt stellt euch vor, Ben und Brianna wären Comic-Figuren. Wer würden sie sein?

Josh: Das ist mal eine verrückte Frage.

Ricky: Ich würde sagen Ben ist Goofy.

Josh: Warte, reden wir hier über Aussehen oder Persönlichkeit? Das wäre da nämlich ein großer Unterschied.

Eric: Von der Persönlichkeit her kommt er Goofy schon nahe.

Josh: Nein, mit dem trockenen Humor ähnelt der Goofy gar nicht. Goofy ist nicht trocken.

Ricky: Und Goofy ist … ich meine … sein Name ist Goofy.

(nach längerer Diskussion)

Ricky: Ich hab’s! Ben ist Roadrunner. Brianna könnte der Coyote sein.

Eric: Oder Jerry von Tom & Jerry. (Brianna guckt verwirrt rüber) Die Maus, Brianna.

Josh: Das gefällt ihr nicht. Wie wär’s mit Prinzessin Bubblegum von Adventure Time?

Tigers Jaw über Tigers Jaw:
Brianna: Ich wäre gerne jemand aus einem Disney-Film … vielleicht eine Prinzessin? Oder Nala aus „König der Löwen“.
Ben: Ich wäre vermutlich Doug aus der Serie „Doug“.

VC: Das lassen wir jetzt mal so stehen, bevor ihr euch das noch mal anders überlegt. Wo sehr ihr die Band in ein paar Jahren?

Josh: Keine Ahnung, eine Auflösung gab es ja schon mal. Als dann „Charmer“ kam, dachte ich, dass das sowas wie ein Abschiedsalbum sein würde. Aber es ging weiter mit ihnen. Ich könnte mir vorstellen, dass sie entweder zu Zweit ein weiteres Album schreiben … oder neue Vollzeit-Mitglieder finden. Ersteres halte ich aber für realistischer.

Tigers Jaw über Tigers Jaw:
Brianna: Hoffentlich machen wir dann immer noch das hier.
Ben: Wir schreiben mehr Songs und spielen an tollen Orten. Reisen und nichts zu ernst nehmen.
Brianna: Solange es Spaß macht, kann ich mir vorstellen, das noch lange zu machen.

VC: Was haltet ihr von ihrem Label, Run For Cover Records?

Josh: Die Leute, die das leiten, sind gute Freunde. Wir hängen gerne mit denen ab. Die kommen jedes mal vorbei, wenn wir in Boston spielen. Dann haben wir immer ziemlich viel Spaß. Als wir das erste mal mit dem Leiter, Jeff, unterwegs waren, waren wir richtig hart feiern. Er hat seinen Zug verpasst und wir mussten ihn mit in die Stadt nehmen. Interessante Art, jemanden besser kennenzulernen.

Ricky: Er ist einer der netten Menschen, die ein Label leiten.

Josh: Genau. Und das Label läuft gut, die bieten eine große Bandbreite an Genres an.

Hier gibt’s noch einmal die Review zum Konzert in Köln, außerdem findet ihr hier das Interview mit Foxing/Tigers Jaw über Foxing.

 

Über den Autor

In der Schule konnte man mich mit der Analyse von Musik jagen. (An dieser Stelle ein großes "Dankeschön" an Herrn Opel und Herrn Arndt. Danke für's Miesmachen.) Mittlerweile habe ich aber doch gemerkt, wie viel Spaß man mit dem Hören, Analysieren und Bewerten von Musik haben kann. Von mir gibt's die komplette Bandbreite: Von Folk über Pop-Punk bis hin zu Metal und Hardcore.

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