Rolo Tomassi sind eine faszinierende Band. Liest man nur den Namen, klingen sie nach einem schwedischen Singer-/Songwriter. Nach den ersten paar Sekunden eines Songs von Rolo Tomassi wird allerdings klar, dass sie weder etwas Schwedisches, noch etwas singer-/songwriter-mäßiges an sich haben. Eine genaue Beschreibung würde jetzt zu viel Platz einnehmen. Die Band aus England muss man sich anhören (oder vielleicht einfach live geben).
Ich habe Chris (Gitarre) und Nathan (Bass) bei ihrem Tourstop in Köln getroffen und ein ziemlich tiefgründiges Gespräch mit ihnen geführt …

VC: Ihr seid gerade mit den Jungs von John Coffey auf Tour und wart schon zusammen in England unterwegs. Wie kommt ihr untereinander klar?
Chris: Ziemlich gut. Wir machen eigentlich immer Witze mit- und übereinander.

VC: Habt ihr schon ein paar Brocken niederländisch gelernt?
Nathan: Nein, aber wir können jetzt englische Wörter mit einem holländischen Akzent aussprechen. Und sie beherrschen den perfekten Sheffielder-Slang.

VC: Ihr beide seid 2012 zu der Band dazugestoßen. Aber eigentlich gab es die Band ja schon seit 2005. War es schwierig, so spät einzusteigen?
Nathan: Wir kannten den Rest der Band schon vorher und hatten auch schon zusammen gespielt. Wir hatten einen ähnlichen Freundeskreis. So ging das eigentlich ganz einfach.
Chris: Wir haben Rolo mal supportet, das war vor etwa sieben Jahren. Also vier Jahre, bevor wir dazugekommen sind. Aber wie Nathan sagt, es war wirklich ganz einfach.

VC: Musstet ihr lange über eure Entscheidung nachdenken?
Chris: Ich hatte zu der Zeit einen scheiß Job, eine Band, die nur ein Spaß-Projekt war. Als James (Keyboard/Gesang) dann gefragt hat, habe ich sofort Ja gesagt.

VC: Ihr habt eine Frau (Eva) als Fronterin. War es seltsam für euch, eine Frontfrau zu haben?
Chris: Eigentlich macht man erst ein Ding daraus, wenn man darüber spricht. Und man spricht nur darüber, wenn man danach gefragt wird. Aber es gibt wirklich viele gute Fronterinnen. Zum Beispiel bei Oathbreaker.

VC: Habt ihr denn mehr Frauen im Publikum, für die Eva so eine Art Vorbild ist?
Nathan: (lacht) Eher andersherum.
Chris: Vielleicht schreckt sie Frauen ab. Wir haben tatsächlich mehr Männer im Publikum …
Nathan: Aber bestimmt sind ein paar Frauen darunter, die sich von Eva inspirieren lassen.

VC: War es damals schwer, in den Songwriting-Prozess von Rolo Tomassi reinzukommen?
Chris: Bei der ersten Probe war ich total überfordert. Wir haben alte Songs gespielt und plötzlich fragte James nach meinen Ideen. Und ich so: „Öhhhhh …“ Aber dann habe ich etwas ausprobiert und er fand es gut. Es war anfangs etwas schwierig, aber dann lief es wie von selbst.

VC: Wie entscheidet ihr, ob eine Idee vielleicht doch zu verrückt ist?
Nathan: Wir haben alle einen ähnlichen Geschmack und einen ähnlichen Filter im Kopf. Da wissen wir irgendwie, was reinpasst.
Chris: Oft sind die Sachen, die wir spielen, schon schwer genug. Alles, was darüber hinausgeht, ist dann zu verrückt.

VC: Ich habe mir ein paar Songs von eurem Album „Grievances“ vorgenommen und mir Fragen dazu überlegt. Achtung, es wird tiefgründig.
Zum ersten Song „Estranged“: Wenn ich an Entfremdung denke, denke ich sofort an Leute, mit denen ich zur Schule gegangen bin. Da ist es mal mehr, mal weniger traurig. Von wem würdet ihr euch nicht entfremden wollen?
Nathan: Sich als Band voneinander entfremden wäre blöd.
Chris: Das hätte aber auch was gutes. Vielleicht sollten wir mal in getrennten Autos fahren …
(Beide lachen)

VC: Ein anderer Song heißt „Raumdeuter“. Wie kam es denn dazu?
Nathan: Da kamen zwei Dinge zusammen. Die Bedeutung des Wortes ist ja schon ganz cool, wenn man es auf’s Sterne deuten bezieht. Und dann ist da noch unsere Leidenschaft für Fußball und den Spieler Thomas Müller. Der hat mal in einem Interview gesagt, er sein ein Raumdeuter.

VC: In „All That Has Gone Before“ singt Eva „We can’t be loved as we are“. Was würdet ihr für die Liebe verändern und was nicht?
Chris: Nathan, dich kann man einfach nicht lieben. So oft hast du dich verändert und ich liebe dich noch immer nicht.
Nathan: Ich könnte meine Haare und Socken (Dicke Stricksocken) nicht verändern. Wäre sie die richtige, müsste ich das nicht. Chris, was würdest du ändern?
Chris: Alles.
Nathan: Wohnort?
Chris: Ja.
Nathan: Name?
Chris: Ja.
Nathan: Sie ist die Richtige, hat aber von Anfang an deinen Namen falsch verstanden. Du hast das nie korrigiert.
Chris: Ändern! Ich wäre auch mein Leben lang Craig. Du merkst, die Antwort ist: Wir würden viel ändern, um geliebt zu werden. Wir können viele Rollen spielen.
Nathan: Wir sind verzweifelt.
(Wieder Lachen)

Im Nachhinein haben die Zwei sich dafür bedankt, so viel über sich gelernt zu haben. Gern geschehen!

Über den Autor

In der Schule konnte man mich mit der Analyse von Musik jagen. (An dieser Stelle ein großes "Dankeschön" an Herrn Opel und Herrn Arndt. Danke für's Miesmachen.) Mittlerweile habe ich aber doch gemerkt, wie viel Spaß man mit dem Hören, Analysieren und Bewerten von Musik haben kann. Von mir gibt's die komplette Bandbreite: Von Folk über Pop-Punk bis hin zu Metal und Hardcore.

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