Dienstag Abend, MTC Köln. Etwas zu spät, aber gut gelaunt laden Fatherson ihren Van aus. Die Schotten kommen frisch aus Berlin. Da haben sie am Montag ihr erstes Deutschlandkonzert der Tour gespielt.

Im Backstage Raum des MTC wartet Sänger und Gitarrist Ross. Er sitzt zwischen einem RATTLESNAKE Graffiti (Danke an Frank Carter, der am Vorabend da war) und unzähligen Stickern.

Rattlesnakes

Foto: Meißner

Ross entschuldigt sich erst mal für das Zuspätkommen der Band. „Wir standen ewig im Stau“, erzählt der 23-Jährige. Es scheint ihn allerdings nicht besonders zu stören. Kein Wunder: Das zweite Album von Fatherson ist in der Mache und wurde in den Rockfield Studios aufgenommen. Da sind schon viele große Bands ein und aus gegangen: „Das war total verrückt. Black Sabbath waren schon da, Coldplay, die Oasis und nicht zu vergessen: Queen! Es ist einfach der coolste Ort aller Zeiten. Eine Farm, auf der man eigentlich den ganzen Tag machen kann, was man will. Und natürlich aufnehmen. Wir haben auch einfach viel mit Kühen rumgehangen und sind mit den Hunden spazieren gegangen.“ So große Vorgänger zu haben ist natürlich auch ziemlich motivierend. Ross verspricht, dass sie bei den Aufnahmen ihr Bestes gegeben haben. Alles andere wäre ja auch Verschwendung der Ressourcen, meint er.

Manchmal sind wir etwas über das Ziel hinausgeschossen“

Genaue Infos zum kommenden Album konnte Ross noch nicht verraten. „Nur so viel: Es ist besser als „I am an Island“, aber nicht komplett anders. Wir haben sehr viel experimentiert, was in dem Studio eben auch super ging. Dabei sind wir auch nur manchmal über das Ziel hinausgeschossen und mussten uns dann wieder etwas zurücknehmen. Eines steht fest: Wir machen jetzt nicht plötzlich Djent oder haben Breakdowns mit drin. Ich kann mit Gewissheit sagen, dass ich keinen Song hasse. Noch nicht.“ Dann lacht er erst mal ein bisschen.

Klischee-Schotten?

Von den Experimenten bei der Albumproduktion kommen wir schnell zum naheliegenden Instrument des typischen Klischee-Schotten: Dem Dudelsack. Kultur ist für viele Schotten immer noch sehr wichtig, allerdings wird es auch nicht übertrieben. „Wir sind sehr traditionell, aber nur, wenn es angebracht ist, wie bei Hochzeiten. Ansonsten sind wir auch ganz normal. Niemand geht im Kilt shoppen … also selten. Aber es gibt schon sehr viel Nationalstolz bei uns.“
Und dann kommt Ross auf das absolute Grauen von deutschen Touristen in Schottland zu sprechen: Das Gericht Haggis (Schafsmagen, der mit anderen Organen gefüllt wird. Mhhhh). Aber was er dann erzählt, das übertrifft einfach alles.

Ein wildes Haggis taucht auf“

Bei uns gibt es Touri-Busse, die eine Haggis-Jagd anbieten. Und ja, den Leuten wird erzählt, sie könnten dann ein Haggis-Tier jagen. So nach dem Motto: Sorry, wir haben jetzt zwei Stunden kein Haggis gesehen, aber wir haben ja noch ein paar Stunden. Ist das ein Haggis? Nein, eine Kuh.“ Wie schön! Die Schotten haben aber auch einen seltsamen Humor. Was Ross übrigens als großen Pluspunkt für die Schotten ansieht.

Ihr Deutschen habt einen fiesen Humor“

Wir finden eigentlich alles lustig und verstehen jeden Humor. Also viele verstehen ja den britischen oder amerikanischen Humor nicht. Wir lachen einfach über alles. Wenn sich jemand über einen lustig macht, dann nimmt derjenige sich das nicht zu Herzen. Man lacht einfach mit. Deshalb war auch der Stau auf dem Hinweg gar nicht schlimm. Wir haben uns untereinander einfach die ganze Zeit übereinander lustig gemacht und ohne Ende gelacht.“ Ich nutze die Situation, ein Vorurteil gegen uns Deutsche aus der Welt zu räumen: Das wird stocksteif und humorlos sind.
Das stimmt gar nicht, da stimme ich dir total zu! Ihr habt einen ziemlich bösen Humor. So trocken. Gestern in Berlin haben wir mit ein paar Deutschen gefeiert und die bringen Sprüche, dass man daneben steht und sich fragt, ob man jetzt eigentlich lachen darf. Und dann kommt die Erleichterung: Ahhhh, das war nur ein Witz. Haha!“

Na hoffentlich kommen die drei Schotten bald wieder in den Genuss unseres trockenen und bösen Humors!

Über den Autor

In der Schule konnte man mich mit der Analyse von Musik jagen. (An dieser Stelle ein großes "Dankeschön" an Herrn Opel und Herrn Arndt. Danke für's Miesmachen.) Mittlerweile habe ich aber doch gemerkt, wie viel Spaß man mit dem Hören, Analysieren und Bewerten von Musik haben kann. Von mir gibt's die komplette Bandbreite: Von Folk über Pop-Punk bis hin zu Metal und Hardcore.

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