Emmure - Speaker Of The Dead
Bewertung4
4Gesamtwertung

Emmure konnten mit Goodbye To The Gallows begeistern. Das Debüt der Jungs aus Connecticut war düster, brutal und frisch. Diesen druckvollen Mix aus Atmosphäre, Härte und Melodie hat man vorher auf diese Art kaum gehört. Doch was ist mit Emmure passiert? Speaker Of The Dead hat nicht nur einen unglaublich banalen Titel, auch die Songs wirken aufgesetzt und langweilig. Emmure treten auf der Stelle – Immerhin!

Während The Respect Issue und Felony enttäuschten und wesentlich uninteressanter als das Debüt waren, so lässt sich bei Speaker Of The Dead zumindest erkennen, dass Emmure ein gutes Album abliefern wollten. Vielleicht wollten sie es zu sehr – Denn die Songs des neuen Outputs wirken verkrampft, überladen und langweilig.

Der Opener Children Of Cybertron grooved noch in gewohnter und auch gewünschter Oldschool-Emmure Manier daher und auch Area 64-66 fetzt ordentlich durch die Anlage und lässt auf viel Gutes hoffen. Doch ein Mal zu oft gehört, fallen schon erste unausblendbare Schwächen auf: Die Lyrics sind unterirdisch (You can’t fuck with us…) und erinnern alles andere als positiv an Songwriting aus New Metal Zeiten. Die Stücke sind zugebombt mit Effekten, was aufgesetzt wirkt und spätestens bei der 10. Sprechgesang-Einlage oder kreischenden Gitarre nur noch nervt und peinlich ist.

Bei Dogs Get Put Down muss ich mich fragen ob Emmure gerne KoRn’s Nachfolge antreten möchten. Warum ist diese einst so talentiert wirkende Band nicht ihrem eigenen Stil treu geblieben? Solar Flare Homicide holt den Hörer unglaublich gut ab und fesselt ihn angenehm im schönen, alten Emmure-Soundgewand. Und doch wirkt auch dieser Song nach dem dritten „I See A Fire In The Sky…“ Gekreische komplett uninspiriert und an Effekten überladen.

So knüppeln sich Emmure durch insgesamt 15 Songs und überraschen dabei nicht einmal mehr beim Aufbau des Albums: Bei Last Words To Rose gibt es, in altgewohnter Emmure-Manier, einen ruhigen, melodiösen Break, der an Misery Signals erinnern lässt. Das kennt man – Das ist in Ordnung. Aber eben nichts Besonderes mehr.

Insgesamt bleibt zu sagen, dass man bei Speaker Of The Dead endlich wieder einen gewissen Biss spürt. Dennoch haben Emmure es zu sehr gewollt. Zu viele Effekte, zu viel Vorgehen nach dem Lehrbuch, das man sich selbst mit Goodbye To The Gallows geschrieben hat. Zu überladene Songs und zu kitschig, peinliche New Metal Anleihen machen das Werk zu einer belanglosen Scheibe, die sich nur ganz knapp über The Respect Issue und Felony einordnen lässt. Für Fans okay – Mehr nicht.

Eventuell müssen sich Emmure die Frage stellen, ob man sich mit Goodbye To The Gallows schon früh das eigene Grab geschaufelt hat.

Über den Autor

Über Tool, Nine Inch Nails und Slipknot bis hin zu Deftones habe ich schon früh meine Begeisterung für harte und ehrliche Musik, gemacht mit Hand und Herz, entdeckt. Hardcore wurde dann zu meiner persönlichen, musikalischen Heimat, als ich 2002 vor der Bühne stand während Comeback Kid und Raised Fist mir diese neue Welt eröffneten. Bis heute begeistert mich, wie Bands derart ehrliche Musik in einem Gewand aus Wut, musikalischer Brillanz und greifbarem Songwriting verpacken können. Bereits jetzt habe ich dank dieser Musik so unendlich viel erlebt, Bands kommen und gehen sehen (Have Heart, Carpathian, Sierra uvm.), unzählige Menschen kennengelernt und überragende Alben für die Ewigkeit gehört. Auf die nächsten 15 Jahre!

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