Emmure - Slave To The Game
Bewertung8
8Gesamtwertung

Dieses Album in Grund und Boden zu stampfen wäre zu einfach. Emmure machen es einem leicht, sie nicht zu mögen. Ein Album (‚Goodbye To The Gallows‘), das für Begeisterung sorgte, drei unwürdige Nachfolger, ein scheinbar narzisstischer Sänger, der Bandinterne Streits gerne Öffentlich austrägt und Vieles mehr. In meiner letzten Review habe ich die Band aus Connecticut ja bereits beerdigt – Kann die 1-Album-Pro-Jahr Musikproduziermaschine Emmure mit ‚Slave To The Game‘ Wiederauferstehung feiern?

Meine Erwartungen an dieses Album waren gleich Null. Ich habe mich mental bereits darauf eingestellt einen Verriss auf unsere Leser loszulassen, der sich gewaschen hat. Und Hand aufs Herz: Einigen von Euch hätte es sicher gefallen an dieser Stelle einen Totalverriss zu lesen. Aber schon die ersten beiden Hördurchgänge ändern alles! Auf ‚Slave To The Game‘ befindet sich kein einziger, schlechter Song! Alles Killer, keine Füller.

Das stimmige Zusammenspiel aus Cover und Intro ‚Insert Coin‘ sorgt gleich für eine saubere Dichte und weiß den Hörer in seinen Bann zu ziehen. Die Vorab-Single ‚Protoman‘ knüpft nahtlos an und lässt aufhorchen! Was ist hier passiert? Emmure finden total zurück zu alten Stärken ohne sich selbst zu kopieren! Die typisch kreischenden Emmure-Gitarren, die verschiedenen Facetten von Frank Palmeri Stimme, die Effekte – Alles was ich bei ‚Speaker Of The Dead‘ noch kritisiert habe, wird hier gleich zu Beginn sparsam und clever eingesetzt. Dabei hat die Band natürlich ihre Dampfwalzen-Attitüde nicht verloren: Der Bass peitscht sich stampfend durch die Songs, die Gitarren klingen brutal und tief und die Drums könnten in einem Lehrbuch für Deathcore-Drums das Vorbild bilden.

Für Neues ist ebenfalls gesorgt: ‚I Am Onslaught‘ zeigt Emmure von einer unbekannten Seite und wird von knackig harten Riffs dominiert. ‚Poltergeist‘ verdichtet die Atmosphäre des Albums. Der Song mit dem absurden Titel ‚Umar Dumps Dormammu‘ und das überzeugende ‚Blackheart Reigns‘ bilden ein starkes letztes Drittel, während die Vorgänger gerade hier meist schwächelten.

Nach knapp 33 Min. endet dieses Monster aus tiefen Bässen, alles niederwalzenden Grooves und abwechslungsreichen Shouts und Growls und Emmure haben mir einen Beweis abgeliefert: Mit dieser Band ist nach wie vor zu rechnen! Jedes dieser 12 Stücke (10 Songs netto) ist es Wert gehört zu werden! Selten hat mich eine Band so überrascht, gerade nach einer 3-Album-überdauernden Enttäuschung. Emmure gehen mit ‚Slave To The Game‘ zurück zu alten Stärken und hinterlassen mich sprachlos. Natürlich macht die Band keine Musik zum Nachdenken oder mit großem Tiefgang – Doch rein vom Unterhaltungswert und dem Anspruch an technisch hochwertige, mitreißende Musik kann ich über dieses Album nur Gutes sagen.

Wer behauptet dieses Album sei ein Komplettreinfall, hat es nicht gehört.
Ja. Emmure feiern Wiederauferstehung.

Über den Autor

Über Tool, Nine Inch Nails und Slipknot bis hin zu Deftones habe ich schon früh meine Begeisterung für harte und ehrliche Musik, gemacht mit Hand und Herz, entdeckt.
Hardcore wurde dann zu meiner persönlichen, musikalischen Heimat, als ich 2002 vor der Bühne stand während Comeback Kid und Raised Fist mir diese neue Welt eröffneten. Bis heute begeistert mich, wie Bands derart ehrliche Musik in einem Gewand aus Wut, musikalischer Brillanz und greifbarem Songwriting verpacken können.
Bereits jetzt habe ich dank dieser Musik so unendlich viel erlebt, Bands kommen und gehen sehen (Have Heart, Carpathian, Sierra uvm.), unzählige Menschen kennengelernt und überragende Alben für die Ewigkeit gehört. Auf die nächsten 15 Jahre!

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