Am 20. Februar bringen die Donots ihr erstes deutschsprachiges Album Karacho auf den Markt. Grund genug, uns mal ausführlich mit Ingo, dem Sänger der Band aus Ibbenbüren, zu unterhalten.

 

VANITYCORE.com:

Hallo Ingo, zum Start haben wir uns direkt einige Entweder-Oder-Fragen überlegt.

Serien oder Filme?

 

Ingo:

Ich war eine ganze Zeit lang überzeugt davon, dass Filme besser sind, mittlerweile durch Breaking Bad und Game Of Thrones würde ich sagen Serien, weil man viel mehr von den Charakteren mitbekommt und wenn man Fan von jemandem ist, dann ist man auf Lebzeiten Fan.

 

VANITYCORE.com:

Dann hat sich die nächste Frage schon fast erledigt:

Breaking Bad oder The Big Bang Theory?

 

Ingo:

Ja, da muss ich Breaking Bad sagen. Ich find The Big Bang Theory echt lustig, das kitzelt aber andere Synapsen bei mir durch. Walter White ist glaube ich die coolste Person, die in den letzten 30 Jahren erfunden wurde.

 

VANITYCORE.com:

Pop oder Metal?

 

Ingo:

Tendenziell Metal. Ich bin ein großer Pop-Fan, aber Metal hat mir als allererstes ein richtiges Zuhause gegeben. Das war das erste Mal, dass ich mich, ich glaub mit elf oder so, verstanden gefühlt hab von Musik. Ich hab vorher ganz viel diesen typischen Chart-Pop gehört, der so in den 80ern in war und da war ja auch ganz gutes Zeug mitunter dabei, aber ich glaub, das erste Mal Sodom hören, das erste Mal Anthrax, Slayer und so hören, hat meine Welt verändert.

 

VANITYCORE.com:

In Bezug auf euer neues Album Karacho:

Deutsch oder Englisch?

 

Ingo:

Kommt drauf an, wo du bist. Ich finds schön, dass wir beides machen können. Wir haben jetzt zwanzig Jahre Englisch gemacht, jetzt haben wir dann mal ein deutsches Album. Egal, was es ist, am Ende muss es Haltung haben und ich glaube, das ist das schönste, was man sagen kann, jetzt gerade über Deutsch-Punk-Platten. Also kein Deutsch-Pop, eher Deustch-Punk.

 

VANITYCORE.com:

Polo oder Porsche?

 

Ingo:

(lacht) Ich hab noch nie nen Porsche besessen. Ich glaub, ein Porsche ist unbequem. Man kann auch nur zwei Leute mitnehmen, wenns kein Panamera ist, von daher nehm ich den Polo, weil da passen mehr Freunde rein und das sieht auch nicht so scheiße aus, wenn der sauig ist von innen.

 

VANITYCORE.com:

Zocken oder Lesen?

 

Ingo:

(lacht) Zocken, unbedingt. Beides geht, aber ich schalte beim Zocken besser ab und ich zock seitdem ich vier bin.

 

VANITYCORE.com:

Bier oder Wasser?

 

Ingo:

Du stellst Fragen, die ich eigentlich immer mit „und“ beantworten könnte. Bier ist geselliger, Wasser trinke ich öfter. Obwohl, vielleicht ändert sich das irgendwann mal, dass ich mehr Bier als Wasser trink. (lacht) Für den Moment würde ich sagen: Bier für den Abend, Wasser für den Tag.

 

VANITYCORE.com:

Spiegel oder Bild?

 

Ingo:

Spiegel, unbedingt! Also, wer Bild-Zeitung liest, der liest ja gar nicht. Das ist ja so wie bunte, blöde Bilder angucken.

 

VANITYCORE.com:

Aufstehen oder nochmal rumdrehen?

 

Ingo:

Ich glaub, ich hab mittlerweile senile Bettflucht. Aufstehen! Nochmal rumdrehen fand ich früher total geil. Ich hab mittlerweile gar keine Ruhe mehr, im Bett zu liegen. Ich find das immer super, aufzustehen und dann ne Stunde joggen zu gehen. Dann ist alles gut.

 

VANITYCORE.com:

Do It Yourself oder Major Label?

 

Ingo:

Wenn man beides zusammen unter einen Hut bekommt, so wie wir das machen, nämlich ein eigenes Label haben und sich Major-Backing dazuholen, funktioniert das beides perfekt zusammen. DIY ist großartig für den Ethos und für das gute Gefühl, es selbst gemacht zu haben. Nur Major ist kacke, weil man sich zu sehr in ne Abhängigkeit begibt. Das Beste aus beiden Welten machen wir gerade seit zwei Alben und das ist spitze!

 

 

Wenn keiner Bock gehabt hätte auf die Platte, wir hatten aber Bock drauf.

 

 

VANITYCORE.com:

Alles klar, damit haben wir den Entweder-Oder-Block abgeschlossen und ich würde gern zu eurem neuen Album Karacho kommen. Zunächst mal: Wie seid ihr auf den Namen gekommen?

 

Ingo:

Wir haben eigentlich erst eine ganze Zeit lang vorgehabt, das Album „Wenn Es Sein Muss Ganz Allein“ zu nennen, weil das ne Textzeile ist, die in zwei Songs vorkommt und weil das irgendwie auch ein ganz gutes Oberthema war. Wenn keiner Bock gehabt hätte auf die Platte, wir hatten aber Bock drauf. Es hätte ja auch gut sein können, dass jeder sagt: „Pff, Donots auf Deutsch, um Gottes Willen, geh mir weg!“ oder wenn wir betriebsblind gewesen wären und es wäre halt wirklich ganz ganz grauenvoll gewesen, dann wäre aber trotzdem für uns in allererster Linie wichtig gewesen, dass wir das selbst gut finden. Von daher war das eigentlich der erstgedachte Titel. Dann haben wir aber gedacht: „Irgendwie knallen Ein-Wort-Titel n bisschen mehr“ und Karacho hat halt so ne Doppelbedeutung. Natürlich das Offensichtliche: einfach Gas geben, mit dem Kopf durch die Wand ohne Rücksicht auf Verluste, aber die ursprüngliche spannendste Sprechung ist ja einfach ein Schimpfwort, sowas wie „Verdammte Scheiße“, „Goddammit“ so nach dem Motto und da fand ich die Doppelbedeutung ganz gut.

 

VANITYCORE.com:

Hat der Titel noch eine tiefere Bedeutung? Hängt er mit den Songtexten zusammen?

 

Ingo:

Natürlich spiegelt er ein bisschen die Haltung von den Texten wider, weil ich glaub, das ist definitiv die Platte, die am meisten in ne Richtung zeigt und auch am meisten positioniert und mit dem Kopf durch die Wand will. Das passt also dementsprechend auch ganz gut, aber ich glaub, man muss so nen Titel dann auch nicht so ultra viel höher hängen, aber der charakterisiert glaub ich echt ganz gut in unserem Bandkosmos oder in unserer Historie, wie man das Album textlich und vor allen Dingen auch soundmäßig einzuordnen hat.

 

VANITYCORE.com:

In einige Songtexte kann man politische Statements bzw. Gesellschaftskritik interpretieren. Das ist so gewollt oder?

 

Ingo:

Ja, definitiv! In den letzten Tagen haben wir jetzt schon echt viele Interviews zu der Platte gegeben und das war ganz oft Thema. Mir ist es einfach total wichtig, wenn ich schon auf Deutsch texte, dass das nicht irgendwelche Texte sind, die pillepalle sind und viel sagen und nichts meinen. Mir sind die deutschen Platten eigentlich immer am liebsten gewesen, die ne Haltung und ne Attitüde haben und das waren vornehmlich immer Deutsch-Punk-Platten gewesen und dementsprechend war mein Anspruch, zumindest ein bisschen in die Richtung zu schreiben und irgendwie auch der Art Ansprache zu genügen, weißt du?

 

VANITYCORE.com:

Jap. Ihr engagiert euch ja auch für wohltätige Zwecke. Wo siehst du im Moment weltweit die größten Probleme?

 

Ingo:

Hm, die Kacke dampft echt an allen Ecken und Enden, das ist glaub ich ein Fass ohne Boden. Da kannst du eigentlich an jeder Ecke ansetzen. Ohne da jetzt zu Gutmensch-mäßig zu klingen, bei all den Problemen, da kannst du am besten schon bei dir vor der Haustür anfangen. Aber was ich unfassbar finde, ist, dass momentan diese Strömung, dass es scheinbar völlig in Ordnung ist und mittlerweile ja auch zum Beispiel in Russland staatliches Backing kriegt, dass Schwulen-Bashing total in ist, dass so rechte Tendenzen in jedweder Form völlig en vogue sind gerade und das war natürlich immer irgendwie da, aber dass das momentan auf so nem öffentlichen Level ausgetragen wird, finde ich mehr als bedenklich.

 

VANITYCORE.com:

Ist die aktuelle Lage auf der Welt der Grund dafür, dass genau jetzt ein deutsches Album kommt? Wie du eben gesagt hast, wenn du schon deutsch schreibst, dann soll da auch eine Haltung dahinterstecken. Hängt das zusammen?

 

Ingo:

Nee, nicht unbedingt. Es gab jetzt schon das ein oder andere Mal die Frage, ob Songs wie Ich Mach Nicht Mehr Mit oder Dann Ohne Mich Bezug nehmen auf die Pegida-Thematik oder die HoGeSa-Geschichte oder AfD oder sowas nehmen. Die Songs sind frei entstanden und schlimmerweise sind die so aktuell wie noch nie zuvor. Das war nicht so geplant, das zeigt ja aber letzten Endes nur, wie scheiße es momentan aussieht und selbst alte Platten, das hab ich jetzt auch schon in einigen Interviews festgestellt, zum Beispiel alte Slime-Platten oder sowas, die sind heute aktueller denn je, obwohl die was weiß ich wie viele Jahre auf dem Buckel haben und das ist halt beeindruckend und traurig gleichermaßen. Wir haben ne deutsche Platte zuerst mal gemacht, weil wir Bock drauf hatten. Wir haben ja zum zwanzigsten Bandjubiläum letztes Jahr ne 7-Inch rausgebracht mit den ersten zwei deutschen Songs, die wir jemals aufgenommen haben und da war dann ja Das Neue Bleibt Beim Alten dabei, wo Tim von Rise Against auch mitgesungen hat, der ja auch dann Deutsch gesungen hat, und das sollte eigentlich so n Special erstmal werden zum zwanzigsten Bandgeburtstag, weil wir gedacht haben, nur einfach nen neuen Song raushauen ist auch ein bisschen einfach. Lass uns was Besonderes machen. Und dann haben wir halt angefangen zu schreiben im Studio und siehe da, auf einmal waren so zehn Songs neben diesen zwei 7-Inch-Songs fertig und dann haben wir halt gedacht: „Ey, machen wir hier gerade ein deutsches Album oder was?“ und das hat sich so gut angefühlt, dass wir dann irgendwann gesagt haben: „Ja komm, dann lass das doch machen, warum denn nicht?“

 

VANITYCORE.com:

Das klingt, als wäre der Schreibprozess leichter gefallen. War das so?

 

Ingo:

Also, das kann ich auch in beide Richtungen beantworten. Das ist schwieriger geworden in der Richtung, dass ich mir die Messlatte selbst viel höher gelegt habe, weil ich absolut keine einzige Zeile verschenken wollte und möglichst knackig texten wollte und keine Füllwörter benutzen wollte. Also im besten Falle müsste jede Zeile, die du schreibst einzeln für sich stehen können und das ist glaub ich schon n bisschen anders gewesen, weil die englische Sprache fließt halt ein bisschen mehr. Auf der anderen Seite ist es aber so gewesen, dass es uns dann wirklich viel viel leichter gefallen ist, einfach wieder Songs zu schreiben, die nach vorne gehen. Also Guido hat das zu Anfang der Studio-Session, als wir das Demo zu Ich Mach Nicht Mehr Mit gesungen haben, da hat der irgendwann auf einmal gesagt: „Boah, das kickt mich so dermaßen, da komm ich sofort auf Ideen“ und es geht wieder viel viel mehr nach vorne und ich glaub, das hört man der Platte auch an. Die ist in unserem Kosmos viel aggressiver, viel nach vorne gelehnter und sehr viel ungezwungener, als das, was wir zuletzt so gemacht haben.

 

VANITYCORE.com:

Wollt ihr denn nach dieser Erfahrung bei deutschen Texten bleiben oder geht es jetzt wieder zurück zu englischen Texten?

 

Ingo:

Naja, was ich jetzt gerade gemacht habe, ich bin vor ner Woche oder zwei richtig fertig geworden damit, ist, die Platte nochmal auf Englisch zu übersetzen, weil wir die trotz allem natürlich auch außerhalb von deutschsprachigen Ländern auch noch rausbringen, also die kommt im Mai in Japan raus und dafür werd ich die Songs halt jetzt auch nochmal in Englisch einsingen. USA haben wir ja letztes Jahr gemacht als einmonatige Tour, das heißt, wahrscheinlich werden wir auch drüben wieder veröffentlichen. Wegen mir kann das von jetzt an auch zweigleisig laufen, aber da haben wir noch gar nicht so richtig drüber nachgedacht, weil die Platte ist ja noch nicht mal draußen und man muss jetzt auch so n bisschen gucken, wie fühlt sich das dann wirklich an, wenn du das spielst und wie kommt das Ganze an. Das Feedback bis jetzt, was wir so bekommen haben von den Redakteuren, die es bis jetzt gehört haben, das war total super und da freuen wir uns riesig drüber, aber das muss sich halt alles gut anfühlen und wenn das sich gut anfühlt, könnte ich mir vorstellen, dass wir weiter auf Deutsch machen und dann Platten auf Englisch übersetzen. Vielleicht machen wir auch mal ne Platte auf Russisch, was weiß ich? (lacht) Muss halt alles Bock machen, weißt du?

 

 

Ich habe keinen Bock, irgendeiner Szene genügen zu müssen.

 

 

VANITYCORE.com:

Das kann ich nur bestätigen, mir gefällt das neue Album auch sehr gut, wesentlich besser als das letzte, da das ja relativ „soft“ war.

 

Ingo:

Vielen, vielen Dank! Ich mein, klar, wie du schon sagst,  VANITYCORE.com ist definitiv ne Seite, die eher hardcorelastig ist und Wake The Dogs war natürlich viel zurückgelehnter und die neue ist glaub ich in der Richtung schon mehr ne Ansage und das passt dann natürlich schon irgendwie ein bisschen mehr so in eure Richtung rein, aber ich freu mich natürlich riesig, wenn du das sagst, vielen Dank.

 

VANITYCORE.com:

Dafür hört meine Freundin die Wake The Dogs öfter.

 

Ingo:

(lacht) Weißt du, das ist das Schöne, dass wir das alles machen dürfen oder können und das nimmt uns keiner krumm oder keiner sagt: „Das klingt jetzt aufgesetzt“ oder sowas. Und das ist mir eigentlich auch so das Allerwichtigste. Wegen mir können wir auch, wenn wir uns mal irgendwann danach fühlen, ein Polka-Album aufnehmen oder so, aber das muss halt trotzdem irgendwie zu uns stimmig sein und man muss uns das auch irgendwie abkaufen, weil wo ich so gar keinen Bock drauf hätte, wäre Auftragsarbeiten oder irgendeiner Szene genügen zu müssen oder sowas, nur damit man irgendwelche Credibility Points bekommt oder sowas. Ich will am Ende des Tages einfach Fan der eigenen Band sein, möchte in den Spiegel gucken können und wenn dann deine Freundin sagt: „Ich hör die Wake The Dogs total gerne“, dann freu ich mich und wenn du sagst, dir gefällt das neue Album außerordentlich gut, dann freu ich mich da genauso drüber. Also echt, einfach Danke in eure Richtung.

 

VANITYCORE.com:

Welche eurer Lieder magst du denn aktuell am liebsten? Eher die härtere Gangart oder eher die ruhigeren Sachen?

 

Ingo:

Wir haben bis jetzt ja von der neuen Platte nur zwei oder drei Songs live mal kurz angetestet letztes Jahr bei unserer Jahresabschlussshow oder bei unserem 20-jährigen Jubiläum in der Halle Münsterland, aber ich sag mal sowas wie der Opener Ich Mach Nicht Mehr Mit, das macht halt einfach mega Bock. Also das ist n Song, da stöpselst du einfach ein, da muss nicht großartig was passieren, da musst du nur einstöpseln und losspielen und dann funktioniert der schon. Und das ist eigentlich jetzt so bei der Proberei, die wir jetzt so für die Tour neulich an den Start gebracht haben, konnte man das eigentlich für alle neuen Songs irgendwie sagen. Die funktionieren super gut, weil die eigentlich recht reduziert sind und ne ziemlich klare Ansprache haben und in klare Richtungen wollen. Von daher, ich glaub, dass uns diese Aufs-Gaspedal-Tret-Songs schon richtig Bock machen gerade. Ich freu mich halt mega auf die Tour.

 

VANITYCORE.com:

Wie ist das denn generell bei euch? Ihr seid jetzt seit 20 Jahren zusammen unterwegs. Was hat sich zwischen euch verändert? Da passiert ja was, wenn man sich so lang kennt.

 

Ingo:

Ja, definitiv. Ich find das auch völlig abgefahren. Zwanzig Jahre ist ne unfassbar lange Zeit. Das fällt einem immer dann so auf, wenn dir auf Konzerten irgendwelche Leute aus dem Publikum zurufen: „Ey, als ihr angefangen habt, da war ich minus ein Jahr alt“ oder sowas und dann fällt dir das wirklich mal auf, aber auf der anderen Seite fühlt es sich halt trotzdem immer noch total frisch an und eben durch solche Festplatten-Resets, dass man halt auf einmal ne Platte auf Deutsch macht oder die Coma Chameleon auf einmal anders geklungen hat wie all das, was wir vorher gemacht haben, hält das halt frisch für uns und wir kennen uns natürlich mittlerweile als Personen in- und auswendig, aber wenn du mit deinen besten Freunden unterwegs bist und es trotzdem immer noch hinkriegst, dich selbst zu überraschen im Studio oder dir selbst neue Impulse zu geben oder neue Herausforderungen zu stellen und irgendwie schaffst du das und es fühlt sich gut an, find ich, kann das alles so falsch nicht sein und das ist halt toll. Wenn sich überhaupt was verändert hat, dann zum Positiven, dass wir einfach noch viel mehr Bock als vorher haben zu experimentieren und uns neuen Herausforderungen stellen.

 

VANITYCORE.com:

Was sind denn aktuell deine Inspirationen? Welche Musik hörst du so?

 

Ingo:

Ganz verschieden. Ich höre im Moment echt wieder ganz viel alten Kram. Ganz viel neue Bands, die mich umhauen, hab ich wenig gehabt in letzter Zeit. Was mich echt voll angeschockt hat, war jetzt die Adam Angst-Platte, die Nachfolge-Band von Frau Potz, da hab ich jetzt schon vorab ein Exemplar bekommen, das fand ich richtig super. Ansonsten hab ich in der Tat wieder sehr viel Dackelblut gehört und Slime, Faith No More hör ich wieder ultra gerne. The Bronx können wir uns alle drauf einigen, dass wir das halt super gut finden zurzeit, und auch Slayer oder solche Sachen hör ich halt ultra gerne wieder. Ich bin glaub ich echt einfach so bei härterer Musik viel mehr zu Hause. Meine Platte des Jahres letztes Jahr war die Carcass-Platte, die aktuelle, die war super.

 

 

Ich sag immer, wir machen Sportgitarrenmusik.

 

 

VANITYCORE.com:

Zwischen welchen dieser Bands würdest du euch denn musikalisch einordnen?

 

Ingo:

Das ist immer schwierig, das selbst so zu sagen. Es ist n ganz schönes Kompliment gewesen, dass jetzt viele von den Redakteuren gesagt haben: „Abgefahren! Das erinnert mich in guter Weise an Slime oder Muff Potter oder sowas.“, das ist halt total schön, weil ich fühl mich dann natürlich verstanden, weil das echt Lieblingsbands von mir sind, aber wir haben ja trotz allem irgendwie nen Pop-Appeal und ne Bandbreite. Ich sag immer, wir machen Sportgitarrenmusik. (lacht) Das beschreibt das immer ganz gut. Ich weiß nicht, ich find, das ist musikalisch durchaus auch echt bei The Bronx auf der neuen Platte irgendwie zu verorten aber die haben ja auch so Folk-Punk-Einflüsse oder sowas und da is echt ne ganze Menge drin. Nenns Sportgitarrenmusik mit Spucke und Blut und Pipi und dann find ichs gut. (lacht)

 

VANITYCORE.com:

Und wie würdest du euch von der Popularität her einordnen? Immerhin wart ihr mit dem letzten Album in den Top Ten.

 

Ingo:

Keine Ahnung, ich glaub, wir spielen seit dem letzten Jahr wirklich die größten Shows, die wir jemals gespielt haben in den 20 Jahren. Das ist halt auch echt total schön, zu wissen, dass man das irgendwie noch hinbekommt nach der ganzen Zeit immer noch ne Schippe draufzulegen. Ich seh uns auch von der Ansprache her ein bisschen so wie die zweite Garde von dem, was halt Die Toten Hosen und Die Ärzte in der Generation davor gemacht haben, sprich: Bands wie die Beatsteaks, die Broilers oder sowas. Einfach gute Freunde von uns. Ich glaub, wir sind eine von diesen typischen Türöffner-Bands. So wie damals Die Toten Hosen mein erstes Konzert waren und mir so n bisschen die Welt erklärt haben, machen wir das glaub ich, genau wie die Beatsteaks oder die Broilers auch und ich find das echt ganz schön, dass wir durchaus ganz verschiedene Generationen, ganz junge Kiddies ansprechen, aber auch Leute mitgewachsen sind und dann auch echt ältere Semester zu unseren Konzerten kommen und ihre Familien mitbringen. Ich find das echt nen Glücksfall, dass man das alles so machen darf.

 

VANITYCORE.com:

Wollt ihr eigentlich nach der US-Tour letztes Jahr auswandern? Dann könntet ihr den Spieß umdrehen und anstatt in Deutschland englischsprachige Musik in einem englischsprachigen Land deutschsprachige Musik machen.

 

Ingo:

(lacht) Wäre ein ganz lustiges Experiment, aber das einzige wovon ich seit der USA-Tour überzeugt bin, ich muss irgendwann nach Kalifornien ziehen und da meinen Lebensabend verbringen, weil die haben da einfach so unglaublich viel Sonne und Palmen, was ich super finde. Die US-Tour war einfach killer. Wir waren nen ganzen Monat da und das war eigentlich alles, was wir in zwanzig Jahren niemals machen durften, auf einen Monat komprimiert. Wir haben Brad, den Bassisten von Ignite, als Tour-Manager dabei gehabt, der sich um uns gekümmert hat. Wir haben halt hier und da auf dem Boden gepennt, haben uns Apartments gemietet, waren im Van unterwegs, im Nightliner, sind geflogen, in Hotels gewesen, haben ganz kleine Bars gespielt, haben ganz legendäre Clubs wie das Whiskey A Go Go oder das Paramount in Seattle machen dürfen oder House Of Blues in San Diego, haben ein großes Festival draußen für 15.000 Leute gespielt, da war echt alles dabei und wenn dann gute befreundete Bands dabei sind wie Flogging Molly, Mariachi El Bronx, CJ Ramone oder Anti-Flag, dann kann das einfach nur ne super Zeit werden. Das wussten wir vorher schon, aber wie super das wird, war uns dann erst ein paar Wochen später klar, als wir uns dann nochmal diese zwei Dokus angeguckt haben, die es davon gegeben hat. Von daher, war super.

 

VANITYCORE.com:

Wie haben denn die Fans in den USA reagiert? Kannten die euch? Waren die textsicher?

 

Ingo:

Abgefahrenerweise richtig richtig super. Da waren in der Tat n paar Leute dabei, die eingeflogen gekommen sind von Mitte USA an die Westküste oder so um uns dann zu sehen. Natürlich kannten uns die meisten nicht, aber wir sind so unfassbar gut aufgenommen worden. Wir haben echt höllenviel Merchandise verkauft, ganz viele Platten unter die Leute gebracht und ganz viele Facebook Freunde von Übersee dazugewonnen und ich glaub, das war n ganz netter Start und ein Fuß in der Tür, aber ich mach mich jetzt auch nicht nass und denke: „Geil, das wird das nächste große Ding in den USA“, definitiv nicht. Dafür ist das halt einfach viiiel zu groß und auch viel zu zeitintensiv und zu kostspielig, da die ganze Zeit unterwegs zu sein, aber ich denke, dass wir da durchaus nochmal auf ne Tour fahren werden und mal gucken, was passiert, wenn das Album dann jetzt da auch mal veröffentlicht wird. Das hat einfach Bock gemacht, wirklich, das Feedback, das wir gekriegt haben war toll.

 

VANITYCORE.com:

Habt ihr euch irgendwelche festen Ziele gesteckt? Zum Beispiel die nächste US-Tour als Headliner spielen oder einmal ein Nr.1-Album haben oder ein Stadion füllen?

 

Ingo:

Das machen wir jeden Tag und jeden Tag erleben wir irgendwelche Sachen, die irgendwie kleine oder große Ziele sind, die man sich noch so gesteckt hat und das ist halt eigentlich auch so schön. Wir gehen da nicht so verkrampft dran und sagen: „Wir müssen das und das schaffen, wir müssen dann und dann ein Nr.1-Album haben, dann und dann die Stadiengröße füllen.“ Wenn das passiert, ist das supergeil, wenn nicht, mein Gott, wir haben doch auch so ne gute Zeit, ist doch spitze. Ich glaub das ist ganz wichtig, dass man einfach irgendwie sich so diese Grundnaivität behält, dass man einfach sagt: „Einstöpseln, spielen“ und hinterher geht´s zum Getränk. (lacht) Der Rest muss erst mal zweitrangig sein und mal schauen. Ich bin gespannt, wo die nächsten zwanzig Jahre da so hingehen. Ich bin mega gespannt, wo das jetzt mit Karacho hingeht und wie die Platte angenommen wird. Ich kann dir nur so viel sagen: Für uns hat sich wieder so n komplett neuer Impuls rauskristallisiert, wie man unsere Musik angehen kann. Wir haben mega Dampf in den Schuhen, was das angeht, jetzt live zu spielen und wir freuen uns riesig auf die Festivals und die Clubshows.

 

VANITYCORE.com:

Ihr habt ja auch einen ziemlich guten Ruf als Live-Band, deshalb die Frage: Schreibt ihr eher Alben, um auf Tour zu gehen oder geht ihr eher auf Tour, um die Alben zu promoten?

 

Ingo:

Macht man ja beides in beide Richtungen so n bisschen, aber wir waren ja nie ne Band die hunderttausend Alben verkauft hat oder so. Ich meine, wir sind nicht Lady Gaga oder was weiß ich wer. Das war aber auch immer zweitrangig, ganz ehrlich. Ich glaube, wir sind einfach ne klassische Liveband erst mal und wenn man dadurch Platten verkaufen kann, ist das super, mir ist es aber ehrlich gesagt persönlich viel viel wichtiger, dass die Konzerte gut besucht sind und selbst, wenn sie nicht gut besucht sind, dass die paar Leute, die dann kommen, trotzdem ne gute Zeit haben und wenn wir dann ne gute Zeit haben, spitze!

 

 

Ich freu mich, dass wir irgendwie kleine und große Bühnen ausfüllen und das nicht nur mit unserem Bauchumfang.

 

 

VANITYCORE.com:

Dann ist es euch wahrscheinlich auch egal, ob ihr gerade in einer Riesenhalle oder einem kleinen Club spielt. Gute Mischung, oder?

 

Ingo:

Ja, das schöne ist, dass wir das alles machen können. Wir können kleine Clubs und kleine Bars spielen, wir funktionieren aber irgendwie auch in Stadien als Support von Green Day oder den Toten Hosen total super und das ist ein absoluter Glücksfall. Ich freu mich, dass wir irgendwie kleine und große Bühnen ausfüllen und das nicht nur mit unserem Bauchumfang. (lacht)

 

VANITYCORE.com:

Letzte Frage: ein Freund von mir hat euch letztes Jahr am Ring abseits der Bühne gesehen, deshalb die Frage, ob ihr Festivals und Konzerte häufig auch außerhalb von dem, was ihr spielt, besucht.

 

Ingo:

Ja, unbedingt! Ich bin nach wie vor so ein ultra großer Fan von so vielen Bands, dass ich echt immer schau, dass ich irgendwie auch Festivals oder lieber noch Clubshows besuche, um mir irgendwelche Bands anzugucken und beim Ring letztes Jahr hab ich drei Tage lang nen Mosh-Nacken von Slayer gehabt. Fand ich saugeil. Wir gucken uns echt, wo es geht, viele Konzerte an. Auch das kitzelt ja so ein bisschen die Synapsen im Kopf durch und gibt einem auch so n bisschen neue Ideen und so.

 

VANITYCORE.com:

Vielen Dank für das Interview, Ingo!

 

Ingo:

Ja, dir auch und hoffentlich auf bald!

Über den Autor

Ich habe im Rock-/Metal-Bereich mittlerweile eigentlich alle Richtungen durch. Angefangen hat alles mit Linkin Park, AC/DC und The Offspring, dann kam die große Liebe System Of A Down. Das Interesse an der harten Musik wuchs immer mehr, genauso wie die Haare. Die Klamotten wurden schwarz, genauso wie der Metal. Ich hatte nie Probleme Dimmu Borgir und Steel Panther direkt nacheinander zu hören und konnte schon immer mit fast allem im harten Rock-Bereich etwas anfangen. Irgendwann mussten die Haare dann ab, die Klamotten wurden wieder bunter und der Musikgeschmack immer Hard-/Metalcore-lastiger. Heute höre ich zum Großteil Musik aus dieser Richtung, bin aber allem anderen gegenüber weiterhin sehr aufgeschlossen.

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