Defeater, Carpathian und Co. im Exhaus oder: Der Versuch über ein unbeschreibliches Erlebnis zu schreiben.

Es ist ein ungemütlich kalter Abend in Trier. Keine Umstände der Welt könnten jedoch meine Freude auf dieses Konzert mindern. Defeater sind zu Gast im Exhaus und haben Carpathian, Souls For Sale und Promises Kept im Gepäck. Die Erwartungen an die neuen Songs von Defeater‘s Empty Days & Sleepless Nights, sowie Carpathian’s Wanderlust EP, ein fairer Eintrittspreis und von Beginn an familiäre Atmosphäre im Balkensaal fördern die Stimmung.

Die regionale Oldschool-Hardcore-Band Promises Kept hat die Ehre zu eröffnen und macht ihren Job wirklich gut! Technisch sauber und mit einem Sänger der richtig schön angepisst und doch verständlich klingt schaffen sie gleich Atmosphäre im mittlerweile gut gefüllten Balkensaal. Ihre Songs mit überzeugenden Lyrics zum Nachdenken passen zu den Hauptbands wie die Faust aufs Auge und verschaffen der Band verdiente Aufmerksamkeit. Trotz Publikumsnähe und der Erweiterung der Bühne um den ganzen Saal, beschränken sich Zuschauer auf Kopfnicken ohne übermäßig Bewegung. Ob es daran liegt, dass die Songs von Promises Kept einfach noch zu unbekannt sind? Dennoch ein mehr als vernünftiger Opener!

Souls For Sale hingegen trüben die Stimmung und wirken leider unpassend zu der heutigen Setlist. Ihr düsterer Mix aus Metal und Hardcore ist verspielt und technisch hochwertig, will jedoch heute nicht funktionieren. Ich würde mich freuen die Band noch mal in bester Verfassung in einem passenderen Rahmen zu erleben. An diesem Sonntag finden Souls For Sale allerdings kaum Beachtung.

Wir begrüßen den ersten Headliner des Abends. Die australischen Carpathian stehen bereit und gleich wird es eng vor der Bühne. Carpathian eröffnen mit einem mächtigen Sound und kommen gewohnt wuchtig, wie eine Dampfwalze aus Energie daher. Dabei wirken die Jungs aus Melbourne mehr als sympathisch und überzeugend und ziehen das Publikum auf ihre Seite. Bühne und Saal verfließen und innerhalb der ersten Zeilen befinden sich die ersten Reihen bereits komplett auf dem Podium um gemeinsam mit Carpathian Songs wie Isolation, Cursed, Seventyk oder Permanent abzufeiern. Zu diesem Zeitpunkt wirken alle Personen im Balkensaal miteinander verbunden und es entsteht ein unglaubliches Gefühl von Einheit – Selbst wenn Isolation mittlerweile drei Jahre alt ist und schon mehrfach betourt wurde und auch Wanderlust nur drei neue Songs bietet, so erscheinen die Outputs von Carpathian an diesem Abend wie Hymnen einer ganzen Generation, die an Intensität unschlagbar zu sein scheinen. Auf die Bitte Zugaben zu spielen geht die Band gerne ein und hinterlässt das Gefühl, dass dieser Auftritt unerreicht bleibt.

Schnell zeigen Defeater jedoch, dass man Messlatten noch höher ansetzen kann. Nach dem akustischen Opener I Don’t Mind, intensiv und mit voller Liebe von Sänger Derek Archambault vorgetragen, zieht die Band sämtliche Zuschauer in ihren Bann und hat gleich alle Kehlen zum Mitsingen auf ihrer Seite. Songs wie The Red, White And Blues, Blessed Burden oder The Bite and Sting werden brachial und spürbar aus dem Herzen vorgetragen und zeigen, dass Defeater mehr sind als Hardcore-Einheitsbrei. Die Band ist vor allem eins: Ehrlich und auf dem Boden geblieben – Eine Einheit mit dem Publikum. Fast kommt es einem vor als würde eine Horde alter Freunde zusammen Musik machen. Was in diesen Minuten im Exhaus passiert ist für mich unbeschreiblich und das Beste, was ich bisher bei einem Konzert erlebt habe. Das ist Hardcore, wie man ihn sich vorstellt. War es vor einiger Zeit noch unvorstellbar, wie anspruchsvoller Hardcore ohne Have Heart, Verse oder Ruiner weiter existieren soll, so können Defeater als Speerspitze der Fortsetzung gesehen werden.

Zum Schluss lassen sich auch Defeater nicht lange bitten und spielen eine ausgiebige Zugabe.

Ich verlasse das Exhaus mit gemischten Gefühlen: Ich bin einerseits glücklich dieses Event erlebt zu haben und andererseits ist mir bewusst, dass es vorbei ist. Diese Show hätte ich noch stundenlang genießen können – Und das ging an diesem Abend sicher nicht nur mir so.

Über den Autor

Über Tool, Nine Inch Nails und Slipknot bis hin zu Deftones habe ich schon früh meine Begeisterung für harte und ehrliche Musik, gemacht mit Hand und Herz, entdeckt. Hardcore wurde dann zu meiner persönlichen, musikalischen Heimat, als ich 2002 vor der Bühne stand während Comeback Kid und Raised Fist mir diese neue Welt eröffneten. Bis heute begeistert mich, wie Bands derart ehrliche Musik in einem Gewand aus Wut, musikalischer Brillanz und greifbarem Songwriting verpacken können. Bereits jetzt habe ich dank dieser Musik so unendlich viel erlebt, Bands kommen und gehen sehen (Have Heart, Carpathian, Sierra uvm.), unzählige Menschen kennengelernt und überragende Alben für die Ewigkeit gehört. Auf die nächsten 15 Jahre!

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.