Am 18.06. hatte ich nicht nur das Vergnügen, die großartigen Denim Demons, die Wahnsinnsstimmung machenden John Coffey und die einfach unbeschreiblich Hammer geilen Danko Jones live zu sehen, nein, ich durfte Mr. Danko Jones himself treffen und ihm ein paar Fragen stellen. Was dabei raus kam könnt ihr jetzt lesen.

VC: Du sollst zu Beginn eurer Karriere in einem Sexshop gearbeitet haben. Stimmt das und wie fühlt es sich an, das nicht mehr zu müssen?
DJ: Ja, das habe ich wirklich. Meinen letzten Tagesjob hatte ich vor 15 Jahren. Es fühlt sich einfach gut an und ist auch der Grund weshalb wir von Anfang an so hart gearbeitet haben. Wir wollten sicherstellen, dass wir das als Vollzeitjob tun können.
VC: Hattet ihr von Anfang an das Ziel mit der Musik Geld zu verdienen?
DJ: Nein, wir haben mit dem Musik machen aus dem selben Grund begonnen wie hoffentlich jede Band. Einfach nur um Musik zu machen und eine gute Zeit zu haben. Weißt du, JC (John Calabrese, Bassist und Mitgründer der Band) und ich waren noch in der Schule, als wir die Band gründeten. Wir haben das nicht strategisch durchgeplant. Es ist einfach passiert.

VC: Nächstes Jahr habt gibt es euch 20 Jahre. Habt ihr etwas besonderes geplant?
DJ: Nicht wirklich. Unsere Biografie ist 2012 auf den Markt gekommen, einfach weil es der richtige Zeitpunkt dafür war. Genau wie unsere Doku DVD, das war ebenfalls in 2012.
Ich persönlich möchte nichts großes daraus machen, ich will einfach nur ein paar Shows spielen, ohne großes Aufheben darum zu machen. Ich sehe das so, dass wir nur so gut sind wie unser letztes Konzert und das letzte Album. Ja klar, es gibt uns jetzt seit 19 Jahren, bald dann 20, aber wir haben uns nie auf den vergangenen Erfolgen ausgeruht. Wir haben noch nie eine goldene Schallplatte bekommen oder hatten eine Charts Platzierung oder haben eine Millionen Kopien von unseren Alben verkauft. In meinen Augen sind wir nicht besser als jede andere Band die es momentan in der Szene gibt.

VC: Ihr habt den Titel Song für den diesjährigen Royal Rumble (eine der größten Veranstaltungen im professionellen Wrestling in Amerika) beigesteuert. Wie kam es dazu?
DJ: Das stimmt, aber wir haben den Song (There´s gonna be a fight tonight) nicht für den Royal Rumble geschrieben. Ein paar der Verantwortlichen der WWE haben den Song gehört und unser Management gefragt, ob sie ihn nutzen dürfen. Das war in der Woche vor dem RR. Im Video zum Song sind zwar Sequenzen des Rumble zu sehen, aber der Song hat an sich nichts mit der Veranstaltung und der WWE zu tun, er ist so wie wir ihn geschrieben haben.
VC: Ah OK, also habt ihr das Video später mit dem Material des Royal Rumble aufgefüllt.
DJ: Genau. Wir haben auch schon vorher für die WWE „gearbeitet“. „Baby Hates Me“ war in der Backlash Show im Jahr 2006 zu hören. Die WWE hatte uns also auf ihrem Radar.
VC: Magst du Wrestling?
DJ: Ich bin ein Oldschool Wrestling Fan, dem aktuellen Geschehen folge ich nicht.
VC: Also in Richtung Undertaker?
DJ: Noch früher, Abdulla the Butcher, Rody Piper usw.
VC: In Deutschland ist Wrestling eher Randgruppe.
DJ: Ja, so wie fast überall in der Welt. Aber in Nordamerika ist der Royal Rumble ein riesen Ding. Genau wie die MMA und UFC.
VC: Wobei gerade MMA in Deutschland am kommen ist.
DJ: Richtig. Ich denke das wird auch noch eine richtig große Nummer.

VC: Weißt du, als ich gefragt wurde ob ich das Interview machen möchte hab ich direkt „Ja“ gesagt. Etwas später dachte ich dann: „Oh mein Gott, Danko Jones.“ Ihr habt auf der Motörboat gespielt, geht es euch da ähnlich, oder denkt ihr: „Naja, ist ja nur Lemmy, Motörhead und Co“?
DJ: Es ist natürlich ein Privileg wenn du gefragt wirst, ob du da auftreten willst. Ich bin ein großer Fan von Down, Testament, Anthrax und wen ich alles vergessen habe. Am Ende war es super, daran teilgenommen zu haben. Es war sehr entspannt und cool.

VC: Auf eurem Luxemburg Konzert vor ein paar Monaten hast du gesagt, dass das Publikum, das an einem Sonntag zum Konzert kommt wirklich verrückt ist. Wie sieht es mit dem von heute aus? (Das Konzert war an einem Donnerstag)
DJ: (lacht) Die sind genauso verrückt. Freitage und Samstage sind super und es kommen auch mehr Zuschauer, aber unter der Woche, wo du kein Netz hast, das dich am nächsten Tag auffängt, das sind die Menschen die dich wirklich sehen wollen, obwohl sie am nächsten Tag Verpflichtungen haben. Es ist einfach cool, wenn du weißt, dass das Publikum, das an einem Wochentag vor dir steht das auf sich nimmt, obwohl sie am nächsten Tag in die Schule oder auf die Arbeit müssen. Am Wochenende hast du ja immer den folgenden Tag zum Ausruhen. Ich war früher genau so und habe nie darauf Rücksicht genommen, ob ich am nächsten Tag zur Schule oder auf die Arbeit muss, wenn ich eine Band sehen wollte.

VC: Wenn ihr auf der Bühne steht, bekommt ihr natürlich Geld dafür (DJ: Ja klar, wir werden bezahlt wie jede andere Band auch), aber für mich wirkt es so, dass ihr auf der Bühne steht, weil ihr Bock darauf habt und spielen wollt.
DJ: Das ist cool. Wir wollen auch immer genau das vermitteln. Wir sind genau wegen den Zuschauern da, die vor der Bühne stehen. Bei vielen Bands ist jede Show gleich, egal an welchem Tag oder wo. Wir leben im Jetzt und was immer auch passiert, passiert eben. Wir sind unendlich dankbar, dass wir spielen dürfen.
VC: Das spürt man auch.
DJ: Wir wissen, dass es ein Privileg ist hier zu spielen. Ich meine, wir sind in Trier. Das ist weit weg von Zuhause.

VC: Was denkst du über Casting Shows?
DJ: Sowas wie American Idol? Ich mag sie alle nicht. Für mich betrügen die alle. Fakt ist, wenn du wirklich singen willst oder in einer Band spielen willst, dann mach das, aber nicht nur des Ruhmes wegen. Jeder Mensch will berühmt, bekannt und respektiert werden für das, was er macht, egal ob Musiker, Arzt oder was auch immer, aber man muss sich das alles verdienen. Das kann man nicht gewinnen. Und aus diesem Grund habe ich nicht allzu viel Respekt vor diesen Reality Show Contest Gewinnern. Weißt du, es ist sehr hart dir mit deiner Band Erfolg und Bekanntheit zu erarbeiten, es gibt 1. so viele, die das schon machen und 2. gibt es immer weniger Menschen, die einer Band wirklich folgen und sie sehen wollen. Vor 30 Jahren, ohne Videospiele und Internet, hatten die Leute einfach mehr Zeit und nichts anderes zu tun, da ist man auf Konzerte gegangen. Heute gibt es DJs, Raves, die ganzen Videospiele und all das Zeug, was einen davon abhält, auf Konzerte zu gehen. Wenn ich also einen Sänger oder eine Band sehe, die ihren Preis dafür nicht zahlt, Erfolg zu haben, kann ich diese einfach nicht respektieren. Wenn sie hart arbeiten, um weiter zu kommen, habe ich Respekt, selbst wenn ich die Musik nicht mag.

VC: Hast du noch ein paar abschließende Worte?
DJ: Geht mehr unter der Woche auf Konzerte.

Vielen Dank an Danko Jones für das Interview. Ich durfte einen Künstler kennen lernen, der abseits der Bühne genau so präsent ist wie auf ihr, allerdings auf eine ruhigere, in sich ruhende und sehr reflektierte Weise.

Über den Autor

Als Musik noch richtig groß war, wollte ich immer etwas damit zu tun haben. Jetzt wo Musik nicht mehr so groß ist, hab ich es immer noch und ich liebe es.

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