Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish
Bewertung8.8
8.8Gesamtwertung

Mit „Dear G-d …“ haben Being as an Ocean ein vielbeachtetes Debüt vorgelegt, an dem sie sich nun messen lassen müssen. Eines vorweg: auf „How we both wondrously perish“ verlässt die Band den auf dem Vorgänger eingeschlagenen Weg bis zu einem gewissen Punkt. Die auf „Dear G-d …“ vorherrschende Melancholie ist zwar nicht gänzlich verflogen, jedoch ist sie anders verpackt. Schon beim Cover-Artwork lassen sich diese Unterschiede feststellen. Herrschten auf „Dear G-d …“ noch dunkle Farbtöne vor, ist das Cover von „How we both wondrously perish“ sehr hell gehalten, was sich exakt auf die Musik übertragen lässt. Es gibt eindeutig mehr Melodien, auch dezente elektronische Effekte streuen Being as an Ocean hier und da ein. Alles wirkt ein wenig glatter, polierter, aber auch positiver. Was geblieben ist, ist die Ausdrucksstärke und die Emotionalität, die Being as an Ocean in meinen Augen ausmacht. Nichts klingt konstruiert, nichts gestellt. Hört man das Album zum ersten Mal, könnte man auf den Gedanken kommen, der Band aufgrund der manchmal sehr poppigen Refrains eine gewisse Annäherung an den Mainstream und ein „Verkaufen“ ihres Stils zu unterstellen. Wenn man sich dann aber ansieht, mit welcher Inbrunst der Fünfer die neuen Lieder live spielt, merkt man, dass keine Silbe gelogen ist, wenn Sänger Joel Quartuccio in einem Interview sagt, dass dieses Album zu einhundert Prozent die Musik ist, die Being as an Ocean machen möchten.

Auch die sehr tiefgehenden Lyrics unterstreichen das. Mit „Mediocre Shakespeare“ beginnt das Album auch gleich mit einem Lied, das symbolhaft für die „neuen“ Being as an Ocean stehen kann. Der Text ist ein wenig verträumt und hat eine positive Grundstimmung, ebenso verhält sich die Musik. Im Refrain hört man zum ersten Mal den neuen Mann für die Clean-Vocals: Michael McGough, gleichzeitig neuer Rhythmus-Gitarrist und ehemaliges Mitglied bei The Elijah. Seine sehr klare Stimme ist mitverantwortlich dafür, dass die Refrains dieses Albums sehr poppig klingen und echte Ohrwürmer sind, so zum Beispiel „L´exquisite Douleur“, „The Poets Cry For More“ und „We Drag The Dead On Leashes“, welche man tagelang im Kopf hat. In diesen Liedern überwiegt das Positive und die Melancholie verschwindet (zumindest im Refrain) beinahe ganz. Doch Being as an Ocean beweisen mit Liedern wie „Death’s Great Black Wing Scrapes The Air” oder „Even The Dead Have Their Tasks”, dass sie auch immer noch sehr nachdenkliche Lieder schreiben können. „Death’s Great Black Wing Scrapes The Air” prangert Missstände wie Armut, Hunger oder Prostitution von Minderjährigen an, während „Even The Dead Have Their Tasks” die Kehrseiten des „Traumjobs“ Musiker behandelt. Die Wut und die Trauer, die Joel Quartuccio bei diesen Themen empfindet, sind in jeder Sekunde zu spüren, allerdings macht es dieses Album aus, dass die Grundstimmung stets positiv bleibt und so zeigen Being as an Ocean in jeder dieser Situationen, dass trotz allem Übel immer Hoffnung besteht.

Die beiden letzten Stücke des Albums heben sich noch einmal grundlegend von allen anderen ab. In „Mothers“ und „Natures“ herrschen für Being as an Ocean ungewöhnlich ruhige Klänge vor. Der Gesang bleibt durchgehend clean und wird zum Teil durch gesprochenen Text unterbrochen. Alles ist sehr atmosphärisch und gefühlvoll, dies gipfelt in einem Trompetensolo. Hier liegt jedoch auch der Schwachpunkt des Albums: Being as an Ocean gelingt es an dieser Stelle nicht, die in allen anderen Liedern vorhandene Spannung aufrechtzuerhalten und ein überragendes Album zu einem ebenfalls überragenden Abschluss zu bringen. „How we both wondrously perish“ plätschert seinem Ende entgegen und doch kann man nicht sagen, dass es ein schwaches Ende ist. Für meinen Geschmack hätte ein kurzes Outro in diesem Stil gereicht, dafür hätte die freigewordene Zeit gern ein weiteres Lied der Marke „Even The Dead Have Their Tasks“ oder „Death’s Great Black Wing Scrapes The Air” einnehmen können. Allerdings ist das Jammern auf sehr hohem Niveau, weshalb man Being as an Ocean im Großen und Ganzen zu einem gelungenen Nachfolger eines wahnsinnig starken Debüts gratulieren muss.

 

Über den Autor

Ich habe im Rock-/Metal-Bereich mittlerweile eigentlich alle Richtungen durch. Angefangen hat alles mit Linkin Park, AC/DC und The Offspring, dann kam die große Liebe System Of A Down. Das Interesse an der harten Musik wuchs immer mehr, genauso wie die Haare. Die Klamotten wurden schwarz, genauso wie der Metal. Ich hatte nie Probleme Dimmu Borgir und Steel Panther direkt nacheinander zu hören und konnte schon immer mit fast allem im harten Rock-Bereich etwas anfangen. Irgendwann mussten die Haare dann ab, die Klamotten wurden wieder bunter und der Musikgeschmack immer Hard-/Metalcore-lastiger. Heute höre ich zum Großteil Musik aus dieser Richtung, bin aber allem anderen gegenüber weiterhin sehr aufgeschlossen.

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