Viele Konzertreviews fangen mit dem Wetter und dem Anstehen vorm Eingang der Location an. Diese hier nicht! Wir wissen alle, dass es im Moment viel zu kalt ist. Ich möchte lieber vorab erwähnen, dass ich an diesem Abend wegen Chelsea Grin in Esch/Alzette bin. Wer meine CD-Reviews verfolgt, weiß, dass ich bei VANITYCORE.com eher für Deathcore, Metalcore und Hardcore verantwortlich bin und mit den krassen Kontrasten zwischen brutal und sanft von Blessthefall und Asking Alexandria eher wenig anfangen kann. Nicht falsch verstehen: Ich mag und verstehe auch die ruhigen Bands – Aber dieses ‚Hin und Her‘ bekommen nur wenige so hin, dass es mir gefällt, daher halte ich mich meist von Platten dieser Art fern.

Live gebe ich Blessthefall und Asking Alexandria natürlich gerne eine Chance, vor allem dann, wenn sie die Vollendung in Deathcore im Gepäck haben: Chelsea Grin. Wow. Also los geht’s.

Die Kulturfabrik in Esch/Alzette ist richtig gut gefüllt und das Publikum ist jünger als auf den Shows, die ich sonst besuche. Das macht natürlich nichts, ist nur eine Tatsache, die gleich auffällt. Unmittelbar nach dem Einlass geht auch schon das Licht aus – Chelsea Grin betreten die Bühne. Die Band aus Salt Lake City lässt gleich ein Donnerwetter auf das Publikum los. Der Sound ist bombastisch, die Kufa bebt.

Obwohl Chelsea Grin sich auf dieser Tour am Meisten vom Lineup abgrenzen und auch nicht so ganz zur Zielgruppe passen herrscht super Stimmung! Das junge Publikum feiert die Deathcore Band total. Es wird gesprungen, die Hände sind in der Luft und vor der Bühne gibt es sogar textsichere Fans, die nach dem Mikro greifen. So macht eine Show doch Spaß. Technisch überragend und druckvoll geben Chelsea Grin einen perfekten Opener ab. Die Band prügelt sich durch ein abwechslungsreiches Set aus alten und neuen Songs, bevor nach (leider) schon 20 – 30 Min. Schluss ist. Dennoch eine eindrucksvolle Leistung bei der vor Allem Sänger Alex Koehler hervorzuheben ist: Das was der Mann im Studio auf Platte bringt, kann er auch live! Ohne auch nur einen Aussetzer wechselt dieses Biest von Sänger vom bestialischen Gekreische zu brutalen Growls. Für mich jetzt schon das Highlight dieses Abends!

Blessthefall betreten die Bühne und reißen das Publikum gleich mit. Viele der Zuschauer scheinen ab diesem Moment richtig aufzutauen und es kommt noch mehr Bewegung in die Reihen. Die Band gibt sich motiviert und sympathisch. Sänger Beau Bokan setzt seinen Gesang überzeugend und sauber in Szene und auch sonst überzeugt die Band und fährt mit einem vernünftigen, fetten Sound auf. Beim Publikum kommt das total an und die Stimmung ist weiterhin super. Es macht wirklich Spaß zu sehen, wie die Menge diese Band feiert. Die Songs wissen live auf jeden Fall zu gefallen und ich erwische mich beim Kopfschütteln. Blessthefall sind für mich die Überraschung an diesem Abend!

Kommen wir zum Headliner: Aksing Alexandria. Der Name ist mir natürlich bekannt, doch bewusst habe ich mir diese Band noch nie gegeben. Das mag für Kollege Dennis absolut unverständlich sein aber in der Regel machen Asking Alexandria einfach nicht das, was ich mir gerne anhöre. Und doch wissen sie an diesem Abend auch mich zu überzeugen: Der Sound mag nicht so druckvoll sein, wie bei den beiden Bands zu vor – dafür zeigen Asking Alexandria das sie nicht umsonst Headliner dieses Abends sind. Die Band weiß wie man das Publikum packt und bewegt. Egal ob zwischenzeitliche Show-Einlagen (Armdrücken auf der Bühne) oder Aufforderungen, die das Publikum animieren sollen (Wall Of Dead): Asking Alexandria bieten das volle Programm. Technisch befindet sich die Band auf absolut hohem Niveau und ich erlebe, wie man Gesang und Melodie mit echt brachialen Mosh-Parts verbindet. Sehr unterhaltsam.

Ich gehe sehr zufrieden mit ein paar neuen Erkenntnissen nach Hause: Musik darf auch mal nur unterhalten, muss nicht immer nur ernst sein und das funktioniert vor allem Live auch mal ganz gut. Ein relativ junges Publikum feiert Bands so richtig schön ab – Da können wir ‚alten‘ Säcke uns ab und zu mal ne Scheibe von abschneiden und: Chelsea Grin sind und bleiben die absolute Referenz im Deathcore. Auch Live. Aber Blessthefall und Asking Alexandria machen das was sie tun nicht schlecht. Ich habe die beiden Bands jetzt auf jeden Fall auf meinem Radar.

Über den Autor

Über Tool, Nine Inch Nails und Slipknot bis hin zu Deftones habe ich schon früh meine Begeisterung für harte und ehrliche Musik, gemacht mit Hand und Herz, entdeckt.
Hardcore wurde dann zu meiner persönlichen, musikalischen Heimat, als ich 2002 vor der Bühne stand während Comeback Kid und Raised Fist mir diese neue Welt eröffneten. Bis heute begeistert mich, wie Bands derart ehrliche Musik in einem Gewand aus Wut, musikalischer Brillanz und greifbarem Songwriting verpacken können.
Bereits jetzt habe ich dank dieser Musik so unendlich viel erlebt, Bands kommen und gehen sehen (Have Heart, Carpathian, Sierra uvm.), unzählige Menschen kennengelernt und überragende Alben für die Ewigkeit gehört. Auf die nächsten 15 Jahre!

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