As Blood Runs Black - Ground Zero
Bewertung:3
3Gesamtwertung

Kurz nach dem Release ihres aktuellen Albums Ground Zero gaben As Blood Runs Black ihre Auflösung bekannt. Vielleicht die beste Idee, die die Deathcore-Mitbegründer aus LA seit Jahren hatten.

Allegiance war ein Brecher. Ein starkes Stück technischer Deathcore, frisch und anders als alles, was man bis dato kannte. So weit, so inspiriert. Nach einem Sänger und Musiker-Verschleiss, den selbst Uschi Obermaier neidisch machen würde, fand die Band 5 Jahre nach dem Debüt endlich eine passende Formation um den Nachfolger Instinct aufzunehmen. Trotz der gewachsenen Erwartungen, nach so langer Wartezeit, überzeugte Instinct auf ganzer Linie. Sänger Sonik Garcia brachte frischen Wind und live erkennbare Spielfreude in die Band und alles schien endgültig wieder zu passen.

(ACHTUNG: Wortspiel) Am Ground Zero angelangt sieht alles wieder ganz anders aus! Das neue Album der Band sorgte bereits im Vorfeld für Aufregung. As Blood Runs Black starteten im Juli 2013 eine Crowdfunding-Kampagne um 50.000 $ für die Produktion ihrer neuen LP zu sammeln. Sämtliche Spender sollten das Album in digitaler Form bereits vor Release erhalten. Spendenfreudigere Fans konnten sich zusätzlich exklusive, signierte Merchandise Artikel sichern. Am Release-Tag (27. Oktober) hatte noch keiner der Spender einen Download-Link oder gar eine Lieferung der Merch-Artikel erhalten. Die Band entschuldigte sich mit einem einfachen „Wasn’t our fault.“ und damit, dass man auf Tour sei. Die Fachpresse hatte das Album zu dem Zeitpunkt bereits erhalten. So weit, so unverschämt.

Widmen wir uns der Musik: Frei nach dem Motto „All Filler, Some Killer“ startet Ground Zero mit City Limits und Insomniac in gewohnter As Blood Runs Black Manier. Aufhorchen ist angesagt. Horcht man allerdings zu genau und zu oft hin, wird schnell klar, dass Ground Zero in Punkto Einfallsreichtum und Songwriting nicht überzeugen kann. Was die Band hier abliefert, klingt gezwungen und verkrampft. Zudem steht erwähnter Song samt Intro repräsentativ für alles, was einen auf der LP erwartet. Die Songs sind uninspiriert und als Gesamtwerk schlichtweg langweilig.

Am wenigsten Schuld daran trägt der neue Mann am Mikro, Chris Bartholomew. Dieser zeigt sich facettenreich und präsentiert eine stimmliche Bandbreite, die begeistern könnte, stünde da nicht die spärliche Produktion im Wege. Hier hätte man sicher noch einiges rausholen können, da Bartholomew selbst in Klargesang-Passagen überzeugen kann und so knackig, frische Einflüsse einbringt. Aber auch der musikalische Part leidet unter einer schwachen Aufnahme. Viel zu trocken, langweilig und schwach klingt die Band mit diesem Release.

As Blood Runs Black spielen sich von einer Deathcore-Vorzeige-Band zum belanglosen Reinfall. Die Band hätte kaum einen treffenderen Titel für ihre LP wählen können. Der Umgang mit den treuesten Fans, die sogar bereit waren zu spenden, um ein weiteres Album der Band hören zu können, ist zudem ohne Worte! Kaum nachvollziehbar, was in den 11 Jahren Bandgeschichte passiert ist. Der Verschleiss von über 13 Band-Mitgliedern spricht genau so für sich, wie endlose Streite mit dem Ex-Plattenlabel. Unter solchen Umständen kann man kaum ein gutes Album schreiben. Diese Band ist auf jeden Fall nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Auch wenn es bei einer CD-Review darum gehen sollte sachlich zu beurteilen ist eine Meinung immer eine subjektive Meinung. Darum komme ich nicht drum rum bei meiner eigentlichen Wertung 2 Punkte wegen dem Umgang der Band mit ihren Fans abzuziehen. Verurteilt mich – Für mich sind Charakter einer Band und deren Musik untrennbar.

Über den Autor

Über Tool, Nine Inch Nails und Slipknot bis hin zu Deftones habe ich schon früh meine Begeisterung für harte und ehrliche Musik, gemacht mit Hand und Herz, entdeckt. Hardcore wurde dann zu meiner persönlichen, musikalischen Heimat, als ich 2002 vor der Bühne stand während Comeback Kid und Raised Fist mir diese neue Welt eröffneten. Bis heute begeistert mich, wie Bands derart ehrliche Musik in einem Gewand aus Wut, musikalischer Brillanz und greifbarem Songwriting verpacken können. Bereits jetzt habe ich dank dieser Musik so unendlich viel erlebt, Bands kommen und gehen sehen (Have Heart, Carpathian, Sierra uvm.), unzählige Menschen kennengelernt und überragende Alben für die Ewigkeit gehört. Auf die nächsten 15 Jahre!

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